Bei ASML steht die Ausweitung des Geschäfts unter einem klaren Vorbehalt: Hohe Nachfrage allein schafft noch keine zusätzlichen Lieferkapazitäten. Auch die am Donnerstag bekannt gewordene Zusammenarbeit mit BE Semiconductor Industries bei der Präzision der Chipplatzierung ist keine bestätigte neue Produktlinie. Für Anleger bleiben deshalb die angehobene Umsatzprognose und die angekündigten Liefergrenzen die belastbareren Anhaltspunkte.
Kooperation ist keine bestätigte Produktoffensive
Reuters berichtete am Donnerstag über Aussagen von Besi-Chef Richard Blickman zur Zusammenarbeit mit ASML. Zugleich hatte ASML einen Bericht von SemiAnalysis über die Entwicklung eines eigenen Hybrid-Bonding-Werkzeugs nicht bestätigt.
Damit sind zwei Sachverhalte zu trennen: Die Zusammenarbeit bei der Chipplatzierung wurde von Blickman beschrieben. Ein eigenes konkurrierendes Werkzeug bleibt dagegen unbestätigt. Aus der Kooperation lässt sich deshalb weder eine neue Umsatzquelle noch ein zusätzlicher Wachstumstreiber für ASML ableiten.
Für die Bewertung ist diese Unterscheidung wichtig. Die bestätigten Geschäftszahlen bieten eine Grundlage für Erwartungen an das bestehende Geschäft. Die berichtete mögliche Produkterweiterung tut das bislang nicht.
Höhere Prognose setzt operative Maßstäbe
ASML meldete am 14. Oktober für das dritte Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 11,7 Milliarden € und einen Nettogewinn von 5,0 Milliarden €. Medienberichte hoben den Rekordumsatz und die durch künstliche Intelligenz getriebene Kundennachfrage hervor.
Die starke Nachfrage schlägt sich auch im Ausblick nieder. Entscheidend ist für Anleger jedoch nicht nur das Interesse der Kunden, sondern ebenso die Fähigkeit des Unternehmens, die benötigten Anlagen bereitzustellen.
Für das vierte Quartal 2026 stellte ASML einen Umsatz zwischen 14,2 und 15,2 Milliarden € in Aussicht.
Diese Erwartung bildet den nächsten operativen Maßstab. Sie ist eine Prognose und noch kein erzielter Umsatz.
Zugleich erhöhte ASML die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 auf 44 bis 45 Milliarden €. Die Bruttomarge soll bei rund 56% liegen.
Liefergrenzen und China-Risiko bleiben entscheidend
Dem positiven Ausblick steht eine konkrete Kapazitätswarnung gegenüber. Medienberichten zufolge erklärte ASML am 14. Oktober, dass das geplante Anlagenangebot die Nachfrage 2027–2028 nicht decken werde.
Das macht die Lieferfähigkeit zum zentralen Prüfstein des Wachstums. Eine starke Nachfrage unterstützt die Geschäftsperspektive, beseitigt aber nicht die Grenzen der verfügbaren Kapazität.
Zusätzlich bleibt die Handelspolitik ein Risiko. Finanzchef Roger Dassen wandte sich am 14. Oktober gegen die vorgeschlagene Einschränkung von DUV-Lithografie-Verkäufen nach China durch den US-amerikanischen MATCH Act. Seiner Einschätzung nach könnte die Beschränkung Chinas Entwicklung konkurrierender Technologie beschleunigen.
ASMLs Wachstumsperspektive beruht damit auf einer starken Nachfrage und einer höheren Prognose. Ob daraus die erwarteten Umsätze entstehen, hängt wesentlich von lieferbaren Anlagen und den politischen Absatzbedingungen ab.
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