ASML startet mit kräftigem Rückenwind in die neue Woche. Der Konzern sichert sich eine Schlüsselrolle beim Aufbau der indischen Chipindustrie – und gleichzeitig schürt eine sehr optimistische Studie von Morgan Stanley neue Kursfantasie. Im Zentrum steht die Frage: Tragen KI-Investitionen und Indien-Projekt die aktuelle Bewertung – oder gehen die Erwartungen zu weit?
Indien als neue Säule
Indiens Industrieminister Ashwini Vaishnaw hat am Wochenende nach einem Besuch in Veldhoven bestätigt, dass ASML hochmoderne Lithografieanlagen für die geplante Halbleiterfabrik in Dholera liefern wird. Die Fab, die vom Tata-Konzern geführt wird und Investitionen in Milliardenhöhe vorsieht, ist ein zentraler Baustein in Neu-Delhis Plan, sich als globaler Fertigungsstandort für Chips zu etablieren.
Für ASML bedeutet der Dholera-Deal eine Ausweitung der geografischen Basis über die etablierten Zentren in Taiwan, Südkorea, Europa und den USA hinaus. Vaishnaw unterstrich, dass ASML weiterhin globaler Marktführer und der einzige Anbieter der modernsten Lithografie-Systeme sei – genau jener Technik, die nötig ist, um wettbewerbsfähige Fertigungslinien in Indien aufzubauen.
Damit erhält die „Fabs-überall“-Entwicklung einen weiteren Beleg: Neben USA und Europa rückt jetzt auch Indien mit konkreten Projekten nach. Für ASML geht es weniger um ein einzelnes Werk, sondern um den Einstieg in einen Markt, der bei weiterer staatlicher Förderung deutlich nachlegen könnte.
Analysten zwischen Euphorie und Skepsis
Parallel zum Indien-Schub sorgt Morgan Stanley mit einem sehr optimistischen Szenario für Diskussionsstoff. Die Bank hält einen Kursanstieg von rund 70 % für möglich. Grundlage der Argumentation: Die Gewinne von ASML könnten sich bis 2027 im Vergleich zu 2025 etwa verdoppeln – angetrieben von einem anhaltend starken Investitionszyklus bei Schlüsselkunden.
Ein zentrales Beispiel ist TSMC: Der Auftragsfertiger plant für 2026 eine Erhöhung seiner Investitionen um 32 % auf 54 Milliarden US-Dollar, um die Nachfrage nach KI-Chips zu bedienen. Auch andere Player wie Micron sollen laut Morgan Stanley ihre Kapazitäten weiter ausbauen. In diesem Szenario würden EUV- und andere ASML-Systeme zum Engpassfaktor der gesamten KI-Infrastruktur.
Ganz einig ist sich die Analystengemeinde jedoch nicht. UBS bekräftigte am Freitag ihr „Buy“-Votum mit einem Kursziel von 1.400 Euro, auch Berenberg und JPMorgan bleiben positiv. Grupo Santander ist dagegen vorsichtiger geworden und stufte auf „Underperform“ ab – Begründung: Die Bewertung sei angesichts der bereits hohen Erwartungen angespannt.
Kursseitig spiegelt sich diese Gemengelage in einer Konsolidierung nahe den Rekordständen wider: Am Freitag schloss die Aktie bei 1.389,04 US‑Dollar, nur knapp unter dem 52‑Wochen-Hoch, nachdem sie sich auf Jahressicht um rund 93 % verteuert hat.
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KI-Boom und geopolitische Bremsklötze
Die starke Position von ASML hängt eng mit dem KI-Hardwareboom zusammen. Das Unternehmen verfügt faktisch über ein Monopol bei EUV-Lithografiesystemen, die für Strukturbreiten unter 7 Nanometern notwendig sind – also genau die Chipklassen, die Nvidia für Hochleistungs-KI nutzt.
Die Zahlen entlang der Wertschöpfungskette unterstreichen den Trend:
– Nvidia meldete im dritten Quartal ein Umsatzplus von 62 % gegenüber dem Vorjahr.
– TSMC verzeichnete im vierten Quartal ein Umsatzwachstum von 25 %.
Beides deutet auf eine anhaltend hohe Nachfrage nach Fertigungskapazitäten – und damit nach ASML-Anlagen. Das Management arbeitet gleichzeitig daran, die Profitabilität zu steigern: Auf eine aktuelle Bruttomarge von 51,6 % soll langfristig eine Marge von 60 % bis 2030 folgen.
Ganz ohne Fragezeichen bleibt der Ausblick dennoch nicht. Exportbeschränkungen gegenüber China sorgen weiter für Unsicherheit bei der Planung, zumal die Volksrepublik bislang ein wichtiger Absatzmarkt war. Gegenläufig wirken jedoch die Kapazitätsausbauten in den USA und Europa sowie nun der Einstieg in Indien, die die regionale Abhängigkeit reduzieren und neue Nachfragekanäle öffnen.
Bilanz am Mittwoch im Fokus
Der nächste konkrete Prüfstein folgt bereits Mitte der Woche. Am Mittwoch, 28. Januar 2026, legt ASML die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von rund 8,86 US‑Dollar.
Besonderes Augenmerk gilt dabei den Auftragseingängen: Zuletzt lagen die Netto-Buchungen bei 5,5 Milliarden Euro. Entscheidend wird sein, ob sich die starke KI-Nachfrage von Kunden wie TSMC und Samsung schon in festen Bestellungen für Anlagen mit Lieferung 2027 widerspiegelt.
Charttechnisch bewegt sich der Titel seit einigen Tagen eng unterhalb der Zone, die UBS und andere Häuser um 1.400 Euro als wichtigen Widerstand definieren. Ein deutliches Übertreffen der Erwartungen oder eine angehobene Prognose für EUV-Auslieferungen 2026 könnte den nächsten Schub liefern. Warnungen vor schwächerer Visibilität durch Exportauflagen würden dagegen den vorsichtigen Ansatz von Santander stützen und den Spielraum nach oben zunächst begrenzen.
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