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ASML: Aishengna plant 20 Systeme 2027

Chinesischer Staatskonzern startet Serienproduktion von DUV-Lithografiemaschinen. ASML-Aktie verliert zeitweise massiv an Wert, Analysten sehen jedoch Überreaktion.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • China produziert eigene DUV-Lithografieanlagen
  • ASML verliert über 60 Milliarden Euro Börsenwert
  • JPMorgan sieht langfristiges Risiko für China-Geschäft
  • EUV-Monopol von ASML bleibt vorerst unangetastet

Ein chinesischer Staatskonzern hat die Halbleiterbranche in dieser Woche aufgeschreckt. Shanghai Aishengna Electronic Technology Group, gegründet im August 2023 mit umgerechnet rund einer Milliarde Dollar Kapital, produziert nach Medienberichten erstmals in Serie sogenannte Immersions-DUV-Lithografiemaschinen. Für 2026 sind fünf Systeme geplant, im Jahr darauf sollen es zwanzig werden. Erste Abnehmer sind die chinesischen Chiphersteller SMIC, Hua Hong und CXMT.

Die Nachricht traf ASML mitten in die Bewertung. An zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen büßte der Marktwert des niederländischen Lithografie-Spezialisten mehr als 60 Milliarden Euro ein, ein Rückgang von rund zehn Prozent. Über die vergangene Handelswoche summierte sich der Kursverlust laut Marktdaten auf 12,79 Prozent. Die Sorge der Anleger: Chinas Chipindustrie könnte sich beim Ausrüster-Nachschub zunehmend unabhängig machen, gerade weil US-Exportkontrollen ASML den Verkauf modernster DUV- und EUV-Anlagen nach China ohnehin schon untersagen.

Wie groß ist das Risiko wirklich?

Die Investmentbank JPMorgan sieht in der chinesischen Entwicklung ein langfristiges Risiko für ASMLs China-Geschäft, das nach eigenen Angaben des Unternehmens rund 20 Prozent des Jahresumsatzes beziehungsweise etwa neun Milliarden Euro ausmachen soll. Zugleich dämpft das Analysehaus die Dramatik: Ein Hersteller, der eine Handvoll Maschinen fertigt, sei nicht dasselbe wie ein Anbieter, der Serienfertigung im großen Stil beherrscht. ASML selbst hatte 2025 insgesamt 131 vergleichbare Systeme nach China geliefert – die geplanten chinesischen Stückzahlen bleiben davon vorerst weit entfernt.

Bank of America wiederum bewertet die Marktreaktion als Überreaktion. Diese Einschätzung deckt sich mit der Einordnung mehrerer Analysten, wonach die neuen chinesischen Maschinen zunächst nur auf ältere Fertigungsknoten um 28 Nanometer zielen und erst über aufwendige Mehrfachbelichtung in Richtung modernerer Strukturen vorstoßen könnten – technologisch und wirtschaftlich ein weiter Weg. Der Branchenkonsens bleibt trotz der Turbulenzen mehrheitlich positiv: Von 32 erfassten Brokerhäusern stufen 21 die Aktie als Kauf und vier als starken Kauf ein, bei drei Verkaufs- und vier Halteempfehlungen.

EUV-Monopol bleibt unangetastet – aber es gibt neue Fragen

Entscheidend für Anleger ist die Unterscheidung zwischen DUV- und EUV-Technologie. Während China nun offenbar bei älteren Immersions-DUV-Anlagen aufholt, gilt der Vorsprung von ASML bei der extremen Ultraviolett-Lithografie, die für die fortschrittlichsten Chips unverzichtbar ist, weiterhin als praktisch uneinholbar. Beobachter verweisen auf einen Rückstand von mehreren Jahren, bevor China auch nur Prototypen in Serienreife bringen könnte.

Zusätzliche Unsicherheit brachte in dieser Woche eine Äußerung des US-Handelsministers Howard Lutnick, der öffentlich infrage stellte, ob EUV-Maschinen von ASML trotz der Exportkontrollen nach China gelangt seien. ASML widersprach dem und erklärte, keine EUV-Anlagen nach China geliefert zu haben. Konkrete Belege für den gegenteiligen Vorwurf blieben bislang aus, die Angelegenheit dürfte den regulatorischen Druck auf das Unternehmen aber vorerst hochhalten.

Kurs stabilisiert sich

Nach dem heftigen Ausverkauf zeigt sich am heutigen Donnerstag eine erste Gegenbewegung: Die Aktie notiert bei 1.379,80 Euro und legt damit um 1,83 Prozent zu. Die Erholung deutet darauf hin, dass ein Teil der Anleger die China-Nachricht inzwischen differenzierter bewertet, auch wenn der Wochenverlust von knapp 13 Prozent die Verunsicherung der vergangenen Tage klar widerspiegelt.

Für die weitere Kursentwicklung dürfte entscheidend sein, wie belastbar die chinesischen Produktionsankündigungen tatsächlich sind und ob die MATCH-Act-Gesetzesinitiative in den USA zu einer weiteren Verschärfung der Exportregeln führt. Bis zur Klärung dieser Fragen bleibt ASML zwischen technologischer Führungsposition und geopolitischem Gegenwind gefangen.

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Diskussion zu Asml

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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