Die Kassen sind voll, die Auftragsbücher für KI-Infrastruktur quellen über. Bei ASML läuft das operative Geschäft auf Hochtouren. Parallel dazu schlägt das Management nun ungewohnt laute Töne an. Der Chef des wertvollsten europäischen Technologiekonzerns warnt eindringlich vor dem schleichenden Bedeutungsverlust des Standorts Europa.
An der Börse zeigt sich ein entspannteres Bild. Die ASML-Aktie notiert aktuell bei rund 1.301 Euro und damit nur knapp unter dem frischen 52-Wochen-Hoch von Anfang Mai. Seit Jahresbeginn steht ein sattes Plus von über 31 Prozent auf der Anzeigetafel. Ein leichter Tagesverlust ändert an diesem starken Aufwärtstrend wenig.
Weckruf der europäischen Tech-Elite
Zusammen mit den Führungskräften von sechs weiteren europäischen Schwergewichten wie SAP, Airbus und Siemens fordert ASML ein schnelles Umdenken der Politik. Die Allianz veröffentlichte einen gemeinsamen Aufruf in mehreren europäischen Tageszeitungen. Die Kernbotschaft ist unmissverständlich. Europa verliere durch Überregulierung und zersplitterte Märkte täglich an globaler Wettbewerbsfähigkeit.
Die Unterzeichner repräsentieren zusammen einen Börsenwert von fast 1,1 Billionen Euro. Sie kritisieren besonders die langwierigen bürokratischen Prozesse. Während andere Regionen künstliche Intelligenz längst in physische Systeme und Robotik integrieren, debattiert Europa noch immer über die passenden Gesetze. Die Konzerne fordern eine koordinierte Industriepolitik und Reformen bei den Fusionsregeln.
Milliarden für Aktienrückkäufe
Ungeachtet der politischen Sorgen setzt der Chipanlagenbauer seine Kapitalrückflüsse konsequent fort. Allein in der ersten Maiwoche erwarb ASML knapp 63.000 eigene Papiere. Das tägliche Volumen lag bei rund 16 Millionen Euro.
Diese Transaktionen sind Teil eines groß angelegten Rückkaufprogramms. Bis 2028 will das Unternehmen eigene Anteile im Wert von bis zu zwölf Milliarden Euro vom Markt nehmen. Bereits im ersten Quartal flossen dafür rund 1,1 Milliarden Euro. Die meisten dieser Papiere werden anschließend vernichtet.
KI-Boom gleicht China-Risiken aus
Das finanzielle Fundament für diese Ausschüttungen bleibt massiv. Im ersten Quartal erwirtschaftete ASML einen Nettogewinn von 2,8 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand einen Umsatz zwischen 36 und 40 Milliarden Euro an. Das Monopol bei EUV-Lithografiesystemen zahlt sich aus.
Dabei verschiebt sich die Kundenstruktur deutlich. Der Umsatzanteil in China dürfte im laufenden Jahr auf etwa 20 Prozent sinken, nachdem mögliche neue US-Exportbeschränkungen das Geschäft belasten. Die gigantischen Investitionen amerikanischer Tech-Konzerne in neue KI-Infrastruktur fangen diesen Rückgang jedoch mühelos auf. Solange Großkunden wie TSMC und Samsung ihre Kapazitäten rasant ausbauen, bleibt die Nachfrage nach den niederländischen Maschinen hoch.
