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Asiens Fabriken erholen sich zum Jahreswechsel

Südkorea und Taiwan verzeichnen eine Trendwende mit Wachstum, während Indien an Dynamik verliert. Die Erholung der asiatischen Fabriken zeigt deutliche regionale Unterschiede.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Südkorea und Taiwan kehren erstmals seit Monaten ins Wachstum zurück
  • Indiens Fertigungssektor verliert spürbar an Schwung
  • Gemischte Entwicklung in südostasiatischen Ländern
  • Preisdruck lässt regional weitgehend nach

Die Fertigungsindustrie in Asien hat das Jahr 2025 mit überraschend positiven Signalen abgeschlossen. Während mehrere wichtige Exportnationen erstmals seit Monaten wieder Wachstum verzeichneten, offenbarten sich zugleich deutliche regionale Unterschiede – vom robusten Aufschwung in Südkorea bis zur anhaltenden Schwäche in Indien.

Technologie-Exporteure finden zurück zum Wachstum

Die beiden Halbleiter-Giganten Südkorea und Taiwan markierten im Dezember eine bemerkenswerte Trendwende. Südkoreas Einkaufsmanagerindex kletterte auf 50,1 Punkte – der erste Wert über der Wachstumsschwelle seit September. Noch deutlicher fiel die Erholung in Taiwan aus, wo der PMI von 48,8 auf 50,9 Punkte sprang und damit die erste Expansion seit zehn Monaten signalisierte.

Verantwortlich für den Aufschwung waren vor allem neue Produkteinführungen und eine gestiegene Auslandsnachfrage. Besonders bemerkenswert: Die Neuaufträge in Südkorea stiegen so stark wie seit November 2024 nicht mehr, wobei Exportorders erstmals seit September wieder zulegten. Firmen meldeten verstärkte Nachfrage aus Europa, Amerika und dem chinesischen Festland.

Das Geschäftsvertrauen südkoreanischer Hersteller erreichte den höchsten Stand seit Mai 2022. Unternehmen zeigten sich optimistisch hinsichtlich geplanter Geschäftserweiterungen und neuer Produkteinführungen. Diese verbesserte Stimmung schlug sich in konkreten Maßnahmen nieder: Erstmals seit drei Monaten wurde wieder mehr Personal eingestellt, und die Einkaufsaktivitäten expandierten so stark wie seit August 2024 nicht mehr.

Südostasien zeigt gemischtes Bild

In den Fertigungszentren Südostasiens präsentierte sich die Lage differenzierter. Indonesien verzeichnete den fünften Monat in Folge Expansion, wobei der PMI allerdings von 53,3 auf 51,2 Punkte zurückfiel. Zwar stiegen Neuaufträge weiterhin, doch verlangsamte sich das Tempo deutlich. Die Produktion legte nur marginal zu – Knappheit bei Rohmaterialien bremste die Fertigung aus.

Die Philippinen erlebten nach mehrmonatiger Kontraktion eine Rückkehr ins Wachstumsterritorium. Der PMI stieg von 47,4 auf 50,2 Punkte, erstmals seit August expandierten die Neuaufträge wieder. Allerdings blieb die Produktion den vierten Monat in Folge rückläufig – die längste Negativserie seit 2021. Besonders problematisch erwies sich die Exportnachfrage: Die Auslandsorders fielen so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr.

Malaysia hielt sich knapp im Wachstumsbereich bei 50,1 Punkten. Die auffälligste Entwicklung: ein drastischer Beschäftigungsanstieg, der drittstärkste seit Beginn der Datenerhebung 2012 und der ausgeprägteste seit über sieben Jahren. Unternehmen stellten Personal für neue Projekte ein und ersetzten ausscheidende Mitarbeiter. Allerdings verlangsamte sich das Neugeschäft spürbar, und Exportorders schrumpften den vierten Monat in Serie.

Indien kämpft mit nachlassender Dynamik

Indiens Fertigungssektor präsentierte sich als Sorgenkind der Region. Der PMI sank auf 55,0 Punkte – den niedrigsten Wert seit zwei Jahren. Obwohl der Index damit weiterhin deutlich über der Wachstumsschwelle lag und die vierte Serie ununterbrochener Expansion markierte, signalisierte der Rückgang einen klaren Momentumverlust.

Schwächelnde Inlandsnachfrage erwies sich als Hauptbelastungsfaktor. Die Neuaufträge stiegen nur noch im langsamsten Tempo seit zwei Jahren. Die nachlassende Nachfrage strahlte unmittelbar auf den Arbeitsmarkt aus: Die Beschäftigung nahm kaum noch zu, der Beschäftigungsindex fiel auf den schwächsten Stand seit Anfang 2024 und verharrte knapp über der 50-Punkte-Marke – faktisch Stillstand bei der Jobschaffung.

Die Produktion kühlte drastisch ab und wuchs nur noch im langsamsten Tempo seit 38 Monaten. Unternehmen führten die geringeren Kundenzahlen als Grund an. Auch die Exportnachfrage bot keine Entlastung – das Wachstum verlangsamte sich auf ein 14-Monats-Tief. Bemerkenswert dabei: Die auf Rekordtiefs gefallene Rupie lieferte bislang nicht den erhofften Exportschub.

Preisdruck lässt regional nach

Auf der Inflationsfront zeigte sich eine weitgehend positive Entwicklung. In Indonesien stiegen die Inputkosten zwar deutlich, erreichten aber ein Vier-Monats-Tief. Höhere Rohstoffpreise und Lieferengpässe trieben die Kosten, doch gaben Hersteller die Belastungen nur moderat an Kunden weiter.

Malaysia meldete lediglich marginale Anstiege bei Input- und Outputpreisen. Einige Firmen boten angesichts gedämpfter Nachfrage und intensiven Wettbewerbs sogar Rabatte an, um den Absatz anzukurbeln.

Indien verzeichnete nur leichte Kostensteigerungen, was Herstellern ermöglichte, ihre Verkaufspreise im langsamsten Tempo seit neun Monaten anzuheben. Dies dürfte der indischen Zentralbank weiteren Spielraum für Zinssenkungen geben, nachdem sie seit Februar 2025 bereits 125 Basispunkte gesenkt hatte – die aggressivste Lockerung seit 2019.

Südkorea bildete die Ausnahme: Die Inputkosteninflation beschleunigte sich markant auf den höchsten Stand seit Juli 2022, getrieben durch teurere Rohstoffe und ungünstige Wechselkursentwicklungen. Hersteller hoben ihre Preise so stark an wie seit neun Monaten nicht mehr.

Lieferketten unter Druck

Versorgungsengpässe plagten die Region flächendeckend. In Indonesien verlängerten sich die Lieferzeiten den dritten Monat in Folge, teils aufgrund widriger Wetterbedingungen. Auf den Philippinen verschlechterte sich die Lieferantenperformance im Dezember wieder, nachdem sie sich im November verbessert hatte. Hafenüberlastungen und schlechtes Wetter wurden als Gründe genannt.

Auch Malaysia kämpfte mit längeren Lieferzeiten, die die moderate Verbesserung vom November zunichtemachten. Ungünstige Witterung und Staus belasteten die Logistik. In Südkorea setzten sich die Lieferverzögerungen fort, wenn auch im langsamsten Tempo der aktuellen neunmonatigen Serie.

Ausblick bleibt vorsichtig optimistisch

Das Geschäftsvertrauen präsentierte sich regional unterschiedlich. Während südkoreanische und taiwanesische Firmen deutlich optimistischer in die Zukunft blickten, trübte sich die Stimmung in Indien ein – das Vertrauen in künftige Produktionssteigerungen fiel auf den niedrigsten Stand seit dreieinhalb Jahren.

In Malaysia blieb die Zuversicht trotz Rückgangs vom 12-Jahres-Hoch im November historisch stark. Unternehmen hofften auf verbesserte Nachfragebedingungen. Indonesiens Produzenten zeigten sich ebenfalls zuversichtlicher und erwarteten, dass neue Produktangebote mehr Kunden anziehen würden.

Die gemischten Signale zum Jahresende verdeutlichen: Asiens Fertigungsindustrie befindet sich in einer Phase der Neuorientierung, in der Technologie-Exporteure von KI-getriebener Nachfrage profitieren, während traditionelle Fertigungsstandorte um Wettbewerbsfähigkeit ringen müssen.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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