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Argo Graphene: Wie viel Substanz steckt hinter der STREAM-Story?

Argo Graphene sammelte Kapital für Chicagoer Anlage und Graphenraffinerie ein, doch Baufortschritt und operative Ergebnisse bleiben offen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie seit Platzierungsanpassung 6,9 Prozent höher
  • Kapital für Chicagoer Anlage vorgesehen
  • STREAM-Raffinerie bislang nicht in Betrieb
  • 30-Tage-Volatilität erreicht 67 Prozent

Ausgangslage

Argo Graphene Solutions hat in den vergangenen Wochen gleich mehrfach Kapitalmaßnahmen aufgesetzt: eine Privatplatzierung, deren Konditionen am vergangenen Mittwoch nachträglich angepasst wurden, dazu eine SEC-Meldung vom 25. August über eine Ausnahmeausschüttung von Aktienoptionen mit einem Ausübungspreis von 71.730 US-Dollar.

Seit der Anpassung der Platzierung hat die Aktie um 6,9 Prozent zugelegt. Für Anleger zählt jetzt weniger die Mechanik der Finanzierung als die Frage, wofür das frische Kapital tatsächlich verwendet wird – und ob die STREAM-Strategie des Unternehmens die Substanz liefert, die eine Bewertung mit deutlichem Aufschlag zum langfristigen Trend rechtfertigt.

Der Kurs notiert mit 0,6220 Euro rund 33 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,4680 Euro – ein Abstand, der auf anhaltendes Anlegerinteresse hindeutet, aber auch zeigt, wie stark die Aktie bereits vorausgelaufen ist. Genau das macht die kommenden Wochen entscheidend: Löst das Unternehmen die operativen Versprechen ein, die es mit seiner Finanzierung verknüpft hat, oder bleibt es bei Ankündigungen?

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor ist die Umsetzung der STREAM-Kommerzialisierungsstrategie. Argo Graphene hat wiederholt erklärt, dass die Erlöse aus der Privatplatzierung in eine Anlage im Raum Chicago, eine Graphenraffinerie sowie in geistiges Eigentum rund um STREAM fließen sollen.

Bislang handelt es sich dabei um eine Absichtserklärung – ein Standort ist angekündigt, aber nicht final in Betrieb, geschweige denn produzierend. Die Kapitalerhöhung selbst ist zwar über die Bühne gegangen beziehungsweise angepasst worden, doch der eigentliche Beweis – eine funktionsfähige Raffinerie mit belastbarer Kostenstruktur – steht noch aus.

Für Investoren ist damit die Frage entscheidend, wie schnell aus der angekündigten Standortentwicklung ein operativer Meilenstein wird, der sich in Umsatz oder zumindest belastbaren Vertragsabschlüssen niederschlägt.

Bullisches Szenario

Gelingt Argo Graphene der Sprung von der Ankündigung zur Umsetzung, könnte die Chicagoer Anlage zum sichtbaren Beweis werden, dass die STREAM-Technologie mehr ist als eine Kapitalmarkt-Story. Ein funktionierender Raffinerieprozess würde die These stützen, dass das Unternehmen eine differenzierte Position in der Graphenproduktion aufbaut.

In diesem Fall dürfte die Aktie ihre relative Stärke gegenüber dem längerfristigen Trend behalten – der aktuelle Kurs liegt bereits deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt, was bei positiven operativen Nachrichten zusätzlichen Rückenwind geben könnte.

Auch die wiederholten, wenn auch kleinvolumigen Finanzierungsrunden ließen sich dann als Zeichen lesen, dass Investoren bereit sind, das Unternehmen auf seinem Weg zu begleiten, ohne dass es auf eine einzige große Kapitalerhöhung angewiesen wäre.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Wiederholung: Innerhalb weniger Wochen hat Argo Graphene seine Privatplatzierung mehrfach angepasst – von ursprünglich bis zu 1.000.000 Einheiten zu 1,00 kanadischen Dollar mit Überzuteilungsoption bis zu 200.000 weiteren Einheiten, auf zuletzt bis zu 1.250.000 Einheiten zu einem reduzierten Preis von 0,80 kanadischen Dollar.

Solche wiederholten Nachbesserungen bei vergleichsweise kleinen Bruttoerlösen von bis zu 1.000.000 kanadischen Dollar werfen die Frage auf, ob die Nachfrage nach den Papieren tatsächlich so stark ist, wie es die Kursentwicklung suggeriert.

Bleibt die Chicagoer Anlage über die Ankündigungsphase hinaus ohne konkreten Baufortschritt oder Inbetriebnahmetermin, könnte die Story ins Stocken geraten. Zudem bleibt die Volatilität mit 67 Prozent auf 30-Tage-Basis hoch – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Aktie weiterhin als spekulativ einstuft und Rückschläge entsprechend heftig ausfallen können.

Ausblick

Solange Argo Graphene weiterhin Kapital einsammeln kann, ohne dass die Konditionen sich massiv verschlechtern, bleibt der Investment-Case intakt – getragen von der Erwartung, dass die Chicagoer Anlage und die Graphenraffinerie in absehbarer Zeit konkrete Fortschritte zeigen.

Kippt jedoch die Finanzierungsdynamik, etwa weil weitere Anpassungen der Platzierung nötig werden oder der angekündigte Standort ohne greifbaren Fortschritt bleibt, dürfte die Bewertung ihren Aufschlag zum langfristigen Trend verlieren.

Der nächste konkrete Prüfstein dürfte die Frage sein, ob und wann Argo Graphene über den Baufortschritt der Anlage im Raum Chicago berichtet – bislang gibt es dafür keinen bestätigten Termin.

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Diskussion zu ARGO GRAPHENE SOLUTIONS

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

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