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Applied Materials Aktie: DRAM-Geschäft springt 52 Prozent

Trotz starkem DRAM-Wachstum und angehobener Prognose fällt die Aktie nachbörslich. Der Markt zeigt sich angesichts hoher Erwartungen skeptisch.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • DRAM-Geschäft wächst um 52 Prozent
  • Prognose für Q4 deutlich angehoben
  • Aktie fällt trotz starker Zahlen
  • Kapazitätsverdopplung bis 2028 geplant

Es gibt Momente, in denen eine Zahl mehr über eine Branche verrät als tausend Analystenkommentare. Bei Applied Materials war es die Zahl 52 – so viel Prozent legte das DRAM-Geschäft im dritten Quartal zu, während der Gesamtumsatz um 25 Prozent auf 9,12 Milliarden Dollar stieg.

Und trotzdem fiel die Aktie nachbörslich um rund fünf Prozent. Wer verstehen will, warum die derzeit vielleicht wichtigste Frage des Halbleiterzyklus lautet, muss genau hier ansetzen: Warum bestraft der Markt eine Firma, die gerade das lauteste Nachfragesignal der gesamten Speicherindustrie sendet?

Die Antwort liegt nicht in der Vergangenheit, sondern in der Erwartungshaltung. Applied Materials lieferte ein GAAP-Ergebnis von 3,17 Dollar je Aktie, ein Plus von 43 Prozent, und übertraf beim bereinigten Gewinn mit 3,50 Dollar den Konsens von 3,39 Dollar.

Für das vierte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 10,25 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich über den zuvor erwarteten 9,54 Milliarden Dollar – sowie einen Gewinn je Aktie zwischen 3,82 und 4,22 Dollar. Das ist keine Zahlenkosmetik, das ist eine der stärksten Prognoseanhebungen, die ein Ausrüster der Chipindustrie in diesem Zyklus vorgelegt hat. Und dennoch: Der erste Reflex der Anleger war Verkauf, nicht Kauf.

Ein Boom, der die eigene Logik durcheinanderwirbelt

Das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Woche ist nicht Applied Materials allein, sondern das Muster, das sich durch die gesamte Speicherkette zieht. Micron kletterte über die Marke von 1.000 Dollar, SanDisk stellte auf seinem Investorentag Bruttomargenziele von 80 Prozent in Aussicht, und Analysten sprechen inzwischen offen von der „schlimmsten Speicherknappheit der Geschichte“.

Applied Materials steht mittendrin – als Ausrüster, der die Fabriken baut, die diese Knappheit irgendwann lindern sollen. Das Unternehmen selbst kündigte an, seine Fertigungskapazität bis 2028 zu verdoppeln, ein Zeitrahmen, der signalisiert: Der Engpass wird nicht in Quartalen, sondern in Jahren gemessen.

Genau darin liegt die Krux für Anleger. Wer in Applied Materials investiert, kauft nicht nur einen Ausrüster, sondern eine Wette auf die Dauer eines KI-getriebenen Speicherzyklus, dessen Ausmaß historisch ohne echten Vergleich ist. Der DRAM-Zuwachs von 52 Prozent ist beeindruckend, aber er ist auch ein Vorbote dafür, wie volatil diese Wette sein kann – heute Rekordumsatz, morgen ein fünfprozentiger Kursrutsch trotz Beat.

Zwischen institutionellem Vertrauen und Insider-Skepsis

Interessant ist auch, wer in dieser Phase zukauft und wer aussteigt. Principal Financial Group stockte seine Position im zweiten Quartal um drei Prozent auf über eine Million Aktien auf, während gleichzeitig Insider innerhalb von 90 Tagen Aktien im Wert von 169,7 Millionen Dollar verkauften.

Kleinere Fondshäuser wie 111 Capital reduzierten ihre Bestände, während New Paradigm Capital Management neu einstieg und Applied Materials zu über fünf Prozent seines Portfolios machte.

Dieses Nebeneinander von Aufstockung und Gewinnmitnahme ist typisch für Aktien, die binnen zwölf Monaten weit über 200 Prozent zugelegt haben – institutionelles Vertrauen in die langfristige Story trifft auf die nüchterne Erkenntnis, dass nach einer derartigen Rally auch Gewinne realisiert werden wollen.

Am heutigen Montag zeigt sich das Bild an der Börse ambivalent: Die Aktie notiert bei 457,95 Euro und damit 4,3 Prozent höher als am Freitag, bleibt aber rund 29 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 647,80 Euro.

Diese Distanz zum Rekordniveau lässt sich als Ausdruck genau jener Skepsis lesen, die schon die Kursreaktion auf die Quartalszahlen prägte – starke operative Ergebnisse ja, aber offenbar noch nicht stark genug, um die hochgesteckten Erwartungen restlos zu erfüllen.

Was bleibt, ist ein Unternehmen, das mitten im Zentrum eines historischen Nachfrageschubs steht, dessen Kapazitätspläne bis 2028 reichen und dessen Aktie dennoch nervös auf jede Nuance in der Prognose reagiert.

Der Speicherboom hat viele Gewinner hervorgebracht – ob Applied Materials seinen Anteil daran in barer Kursmünze auszahlt, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn aus der angekündigten Kapazitätsverdopplung tatsächliche Auslieferungen werden.

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Diskussion zu Applied Materials

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.