Applied Digital treibt die Expansion seiner Rechenzentrumskapazitäten voran, während der Kapitalmarkt die jüngsten Geschäftszahlen verarbeitet. Im Fokus der strategischen Entwicklung steht derzeit insbesondere der Standort Polaris Forge 2, der das Fundament für die künftige Kapazitätsausweitung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bilden soll. Trotz einer deutlichen Korrektur am heutigen Freitag bleibt der Ausblick auf die operative Inbetriebnahme wesentlicher Meilensteine bestehen.
Massive Kapazitätsausweitung geplant
Ein zentraler Baustein der Wachstumsstrategie ist der Polaris Forge 2 Campus im US-Bundesstaat North Dakota. Nach einem Standortbesuch berichteten Analysten von B. Riley Securities am 21. August über den Fortschritt des Projekts.
Demnach rechnet das Management damit, dass die erste Datenhalle bereits im vierten Quartal 2026 fertiggestellt werden kann. Die volle Betriebsbereitschaft des 300 Megawatt (MW) umfassenden Campus ist für das vierte Quartal 2027 avisiert.
Zur Absicherung der notwendigen Energieversorgung plant das Unternehmen einen umfangreichen Ausbau der Strominfrastruktur. Insgesamt geht es um etwa 1,4 Gigawatt an vertraglich gesicherter IT-Last.
In diesem Zusammenhang entwickelt das Unternehmen Base Electron laut Medienberichten rund 1,2 Gigawatt an Erdgas-basierter Energieerzeugung, die direkt an das Projekt gekoppelt ist. Diese Größenordnung unterstreicht den Anspruch des Unternehmens, als Infrastrukturdienstleister für rechenintensive Anwendungen zu wachsen.
Volatilität nach Ergebnisenttäuschung
Die Aktie verzeichnete heute im frühen Handel einen Rückgang um 7,1 % auf 21,84 €. Damit notiert das Papier derzeit etwa 19 % unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 26,91 €.
Diese Schwächephase folgt auf die Veröffentlichung der Ergebnisse für das vierte Geschäftsquartal 2026 vor gut drei Wochen. Zwar konnte Applied Digital den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 406,3 % auf 240,35 Millionen US-Dollar steigern, verfehlte jedoch die Gewinnzonen.
Der bereinigte Verlust belief sich in diesem Zeitraum auf 0,39 US-Dollar je Aktie, während Analysten lediglich mit einem Minus von 0,09 US-Dollar gerechnet hatten. Diese Diskrepanz zwischen rasantem Umsatzwachstum und operativem Verlust prägt weiterhin die Stimmung der Anleger.
Medienberichten zufolge bleibt das Marktumfeld für Rechenzentrumsbetreiber aufgrund des KI-Booms zwar konstruktiv, die hohen Vorabinvestitionen für Standorte wie Polaris Forge 2 belasten jedoch die kurzfristige Profitabilität.
Unterschiedliche Analystenbewertungen
In der Analystengemeinde zeigen sich unterschiedliche Auffassungen zur Bewertung des Unternehmens, dessen Marktkapitalisierung sich derzeit auf rund 7,04 Milliarden € beläuft.
Während B. Riley Securities am 21. August das Kaufurteil mit einem Kursziel von 75 US-Dollar bekräftigte, zeigt sich Morgan Stanley zurückhaltender. Das Bankhaus hob sein Kursziel am 6. August zwar leicht von 36,50 auf 37,50 US-Dollar an, beließ die Einstufung jedoch auf „Equal Weight“.
Insgesamt wird die Aktie laut Medienberichten von 17 Research-Häusern mit einem durchschnittlichen Rating von „Moderate Buy“ geführt. Das mittlere Kursziel der Experten liegt aktuell bei 68,15 US-Dollar.
Flankiert wird die operative Entwicklung zudem von Insider-Transaktionen: Am 4. August veräußerte Direktor Richard N. Nottenburg 75.000 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 31,15 US-Dollar.
Das Unternehmen steht nun vor der Herausforderung, die massiven Infrastrukturprojekte zeitgerecht in den produktiven Betrieb zu überführen, um die hohen Erwartungen an das künftige Umsatzniveau zu rechtfertigen.
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