Apple muss mit seinem nächsten Quartalsbericht nicht nur Wachstum liefern, sondern dessen Ertragsqualität belegen. Am 2. November veröffentlicht der Konzern die Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Im Mittelpunkt stehen die Bruttomarge und der Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft: Zollrückerstattungen stützen die Profitabilität, während höhere Speicherkosten und begrenzte Chipkapazitäten sie belasten könnten.
Wachstum mit einem Sondereffekt
Apple hat für das Septemberquartal ein Umsatzwachstum von 9–11% gegenüber dem Vorjahr angekündigt. Die erwartete Bruttomarge liegt bei 47–48%. Darin steckt allerdings ein Vorteil von etwa einem Prozentpunkt aus Zollrückerstattungen.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich. Eine durch Rückerstattungen gestützte Marge sagt weniger über die laufende Ertragskraft aus als Verbesserungen durch Produktmix, Preise oder Kostendisziplin. Der Blick auf den ausgewiesenen Wert allein greift deshalb zu kurz.
Bereits im Juniquartal 2026 spielten solche Effekte eine wichtige Rolle. Apple erzielte damals einen Umsatz von 109,4 Milliarden US-Dollar und einen verwässerten Gewinn je Aktie von 2,02 US-Dollar. Die Zollrückerstattungen erhöhten den Gewinn je Aktie um 0,11 US-Dollar.
Der nächste Bericht muss damit zwei Fragen beantworten: Wie kräftig wächst das Geschäft, und wie viel davon kommt ohne Sondervorteile beim Gewinn an? Zusätzliche Bedeutung erhält der Ausblick, weil Apple zugleich mit steigenden Kosten für wichtige Komponenten umgehen muss.
Speicherpreise treffen auf hohe Erwartungen
Laut Pepperstone könnten steigende DRAM- und NAND-Preise Apples Marge belasten. Das Analysehaus verweist auf den Speicherbedarf von KI-Rechenzentren. Hinzu kommen begrenzte Kapazitäten für fortschrittliche Chips.
Apple hatte seine Lagerbestände deutlich erhöht. Sie stiegen von 5,72 Milliarden US-Dollar zum Ende des Vorjahres auf 11,09 Milliarden US-Dollar am 27. Juni. Der Konzern erwartet allerdings, dass der daraus resultierende Kostenvorteil nach September abnimmt.
Damit gewinnt die Prognose für das Weihnachtsgeschäft besonderes Gewicht. Sie dürfte deutlicher als der Rückblick zeigen, wie Apple die Kostenbelastung einschätzt. Auch Aussagen zu Angebot und Lieferfähigkeit sind relevant, um die Wachstumserwartungen einzuordnen.
iPhone-Nachfrage regional uneinheitlich
Die frühen Verkaufsdaten der neuen Pro-Modelle liefern kein einheitliches Bild. Laut Counterpoint Research, zitiert von Reuters und dem Wall Street Journal, stiegen die Verkäufe in China gegenüber der Vorgängergeneration um 29%. In Japan sanken sie dagegen um 27%, in den USA um 4%. Die Angaben beziehen sich auf die ersten drei Verkaufswochen.
Chinas Stärke lässt sich somit nicht ohne Weiteres auf andere Märkte übertragen. Pepperstone wertet zudem kürzere Lieferzeiten und Rabatte bei einigen Onlinehändlern als mögliche Hinweise auf schwächere Nachfrage. Das sind Warnsignale, aber kein Beleg für einen bestätigten Nachfrageeinbruch.
Für Apple zählt deshalb die Verbindung aus Absatz, Produktmix und Kosten. Ein kräftiger Umsatzanstieg wäre positiv. Aussagekräftiger für die weitere Gewinnentwicklung sind jedoch eine belastbare Marge und ein Weihnachtsausblick, der die nachlassenden Kostenvorteile berücksichtigt.
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