Apple steht kurz davor, einen der letzten großen weißen Flecken auf der Landkarte seines Bezahldienstes zu schließen. Nach Informationen aus Finanzkreisen plant der Konzern bereits im kommenden Monat den Start von Apple Pay in Indien – zunächst mit Kreditkarten der Axis Bank. Für das bevölkerungsreichste Land der Welt wäre das ein bedeutender Schritt in einem bislang unerschlossenen Markt.
Gespräche mit größeren Playern wie HDFC Bank und ICICI Bank laufen bereits, kommerzielle Bedingungen sind aber noch nicht ausgehandelt. Axis Bank selbst ist mit rund 16,26 Millionen aktiven Kreditkarten nur die viertgrößte Karten-Emittentin des Landes. Größer sind unter anderem HDFC Bank, SBI Cards und ICICI Bank – Apple dürfte also nach dem Start Schritt für Schritt weitere Partner anbinden.
UPI dominiert den Markt
Einfach wird der Einstieg nicht. Indien verfügt mit der Unified Payments Interface (UPI) über eines der größten digitalen Zahlungssysteme weltweit. Das staatlich getragene Netzwerk deckt rund 84 Prozent des digitalen Zahlungsvolumens im Land ab und läuft über QR-Codes, Telefonnummern und kontaktlose Verbindungen – kostenlos für Nutzer.
Apple Pay setzt dagegen auf klassische Kartenzahlungen mit verschlüsselten Token-Daten, freigegeben per Face ID oder Touch ID. Erst eine Änderung der indischen Zentralbank, die biometrische Authentifizierung für Kartenzahlungen erlaubt, hat diesen Weg überhaupt geöffnet. Apples Anteil am indischen Smartphone-Markt hat sich seit 2022 auf rund acht Prozent verdoppelt – Indien zählt damit zu den wichtigsten Wachstumsmärkten des Konzerns.
Insider-Verkauf und Analysten-Rückenwind
Parallel zu den Indien-Plänen meldete Apple eine Insider-Transaktion: General Counsel Jennifer Newstead verkaufte Aktien im Wert von rund 474.813 Dollar, abgewickelt über einen im Mai eingerichteten automatisierten Handelsplan. Gleichzeitig erhielt sie deutlich mehr Aktien aus vestenden Restricted Stock Units. Solche planbasierten Verkäufe gelten als Routinevorgang und liefern für sich genommen kein Signal zur Geschäftslage.
Auf der Analystenseite bleibt die Stimmung konstruktiv. Evercore ISI bestätigte die Einschätzung „Outperform“ mit einem Kursziel von 365 Dollar und verweist auf starke Nachfrage nach dem iPhone 18 Pro und Pro Max. BofA Securities hält an „Buy“ fest, Kursziel 370 Dollar, und begründet dies mit höheren Trägerrabatten, die den gestiegenen Gerätepreisen entgegenwirken.
Der potenzielle Indien-Start dürfte sich zunächst kaum in den Quartalszahlen niederschlagen – als zusätzlicher Umsatzkanal im Servicegeschäft wird er aber erst mittelfristig relevant. Mit HDFC Bank und ICICI Bank stehen die nächsten möglichen Partner bereits in Verhandlungen, ein Abschluss ist jedoch noch offen.
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