Tim Cooks letzte WWDC als Apple-Chef war kein bescheidenes Abschiedsständchen. Der Konzern präsentierte eine von Grund auf neu gebaute Siri — und BofA Securities hat daraufhin seine Einschätzung prompt bekräftigt.
Analyst Wamsi Mohan von BofA hält an seinem Kaufvotum und einem Kursziel von 380 Dollar fest. Die Basis: 37-mal die für 2027 geschätzten Gewinne je Aktie. Das entspräche einem deutlichen Aufschlag gegenüber dem aktuellen Kursniveau. Die Investmentbank sieht Apple auf dem Weg zur KI-Führerschaft am Edge — dem Gerät in der Hand des Nutzers — und verweist auf starke Kapitalrückflüsse als weiteres Standbein der Bewertung.
Siri, neu aufgesetzt
Die neue Siri basiert auf Apples eigenen Foundation Models, ergänzt durch eine Zusammenarbeit mit Google Gemini. Was das System vom Wettbewerb abheben soll: tiefe Einbettung in den Alltag des Nutzers. Ob E-Mails, Kalendereinträge oder Kontakte — Siri soll Zusammenhänge verstehen, die bisher kein Assistent zuverlässig beherrschte. Apple betont dabei eine Architektur, bei der Daten nur zur Ausführung einer Anfrage genutzt und nicht gespeichert werden.
Die Skepsis ist dennoch verständlich. Bereits vor zwei Jahren hatte Apple eine ähnlich ambitionierte Siri angekündigt — und musste ein Jahr später einräumen, dass die Software nicht verlässlich genug funktionierte. Marktbeobachter wie IDC-Analyst Francisco Jeronimo sehen die neue Version als strategische Weichenstellung, warnen aber: Apple muss diesmal liefern. Kunden werden Siri daran messen, ob sie sie tatsächlich versteht.
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EU bleibt außen vor, Analystenfeld gespalten
Für europäische iPhone- und iPad-Nutzer gibt es vorerst keine KI-Siri. Apple hat sich bewusst dagegen entschieden, die Funktion in der EU einzuführen — als Reaktion auf Anforderungen der EU-Kommission im Rahmen des Digital Markets Act. Auf Mac und Vision Pro wird die neue Siri auch in Europa verfügbar sein, weil Apple dort nicht als Gatekeeper gilt.
Das Analystenbild nach der Keynote ist uneinheitlich. Während BofA, Evercore ISI und Wedbush die Entwicklung positiv werten, stuft Barclays die Neuerungen als eher evolutionär ein und bleibt bei Underweight. Die Kursreaktion spiegelt diese Zurückhaltung wider: Kein Kaufrausch, aber auch kein Einbruch.
Im September übernimmt John Ternus das Ruder von Tim Cook. Die erste wirklich große Bewährungsprobe für sein Führungsteam dürfte der Herbst-Rollout der neuen iOS-Version werden — dann entscheidet sich, ob Apples KI-Versprechen diesmal hält.
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