Apple hat im dritten Fiskalquartal die Erwartungen der Wall Street übertroffen – und trotzdem den heftigsten Kurseinbruch seit Jahren erlitten. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf 109,4 Milliarden Dollar, der Gewinn legte sogar um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden Dollar zu. Anleger reagierten dennoch mit Verkäufen, weil der Ausblick auf das laufende Quartal enttäuschte.
Starke Zahlen, schwacher Ausblick
Das iPhone-Geschäft trug mit 54,25 Milliarden Dollar und einem Plus von 22 Prozent den Löwenanteil zum Rekordquartal bei – bereits das dritte Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum über 20 Prozent. Auch der Mac-Bereich sprang um 29 Prozent auf 10,35 Milliarden Dollar. Das Sorgenkind war der Dienstleistungsbereich: Services wuchsen zwar um 12 Prozent auf 30,74 Milliarden Dollar, verfehlten die Konsensschätzung von 31,22 Milliarden Dollar aber um rund 480 Millionen Dollar. In China legte der Umsatz um 22 Prozent auf 18,81 Milliarden Dollar zu, blieb jedoch unter der erwarteten Marke von etwa 19,5 Milliarden Dollar.
Der eigentliche Auslöser des Kursrutsches war die Prognose für das vierte Fiskalquartal: Apple stellt ein Umsatzwachstum von 9 bis 11 Prozent in Aussicht, während der Konsens rund 12 Prozent erwartet hatte. CEO Tim Cook nannte die Lieferengpässe bei Prozessoren und Speicherchips in seiner Telefonkonferenz „sehr signifikant“ und führte sie auf die enorme Nachfrage der Rechenzentren für Künstliche Intelligenz zurück, die Komponenten verknappt. Zusätzlich belasten Zollkosten von rund 1,1 Milliarden Dollar die Marge im kommenden Quartal.
Analysten uneins über die Dauer der Delle
Goldman Sachs senkte sein Kursziel von 370 auf 360 Dollar, beließ die Aktie aber auf „Buy“. Die Analysten begründen den Schritt mit den Lieferengpässen und einer erwarteten weiteren Abschwächung im Servicegeschäft, sehen aber neue Geräte und KI-Funktionen als Erholungstreiber. Bank of America bekräftigte dagegen ihr Kursziel von 380 Dollar und verteidigte die Aktie ausdrücklich für den Rest des Jahres – die schwache September-Prognose spiegele aus Sicht der Analysten Produktionsengpässe und nicht nachlassende Nachfrage wider. Auch Morgan Stanley kappte sein Ziel auf 360 Dollar. Insgesamt senkten mindestens vier Broker ihre Kursziele, drei weitere hoben sie an, der Median lag zuletzt bei 330 Dollar.
Institutionelle Investoren zeigten sich von der Volatilität unbeeindruckt: Allspring Global Investments stockte seinen Bestand im ersten Quartal um 2,8 Prozent auf, auch Vanguard, State Street und Geode Capital bauten ihre Positionen weiter aus. Norges Bank stieg neu ein. Institutionelle Anleger halten damit weiterhin den überwiegenden Teil der ausstehenden Aktien.
Führungswechsel fällt mitten in die Turbulenzen
Die Zahlen markierten zugleich Tim Cooks letzte Telefonkonferenz als CEO. Zum 1. September übernimmt John Ternus, bislang Chef der Hardware-Entwicklung, die Führung, Cook wechselt in die Rolle des Executive Chairman. Cook nutzte den Anlass, um Ternus öffentlich zu loben – ein Signal für einen geordneten Übergang. Parallel kündigte Cook an, dass intensive Nutzer der neuen Siri-KI künftig über iCloud+ zusätzlich zahlen müssen; die Funktion startet im September mit iOS 27, zunächst nicht in der EU und in China.
An der Börse zeigte sich die Skepsis der Anleger deutlich: Der Schlusskurs fiel am Freitag auf 269,10 Euro, ein Tagesverlust von 7,06 Prozent. Damit büßte die Aktie binnen sieben Tagen mehr als acht Prozent ein und rutschte 10,83 Prozent unter ihr 52-Wochen-Hoch von 301,80 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von fast 48 Prozent zu Buche – die aktuelle Korrektur relativiert sich damit im längerfristigen Bild, auch wenn sie kurzfristig schmerzt.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die Lieferengpässe tatsächlich nur Nachfrage verschieben, wie es etwa J.P. Morgan einschätzt, oder ob sich dahinter ein strukturelleres Problem verbirgt. Die kommenden Quartale unter neuer Führung dürften zeigen, wie belastbar das Wachstumsversprechen bei iPhone und Services tatsächlich ist.
Apple-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Apple-Analyse vom 2. August liefert die Antwort:
Die neusten Apple-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Apple-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 2. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Apple: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
