Antimony Resources handelt aktuell bei 0,42 Euro. Dieser Preis erzählt zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Auf Jahressicht glänzt das Papier mit einem Plus von fast 478 Prozent. Parallel dazu notiert der Kurs deutlich unter seinem Jahreshoch vom März. Welche dieser beiden Geschichten zählt jetzt? Die Antwort dürfte noch in diesem Monat fallen.
Ein Metall im Fokus der Macht
Um diese Aktie zu verstehen, muss man die Politik verstehen. Regierungen betrachten Antimon längst nicht mehr nur als Industriemetall. Es ist eine Ressource der nationalen Sicherheit. Das Militär braucht das Material dringend. Es härtet Bleilegierungen in Munition und stärkt militärische Ausrüstung. Auch in Halbleitern, Infrarotsensoren und Drohnen-Batterien spielt es eine zentrale Rolle.
Exportbeschränkungen im Jahr 2024 haben gezeigt, wie schnell sich der Markt dreht. Damals schossen die Preise international in die Höhe. Peking hat sein vollständiges Exportverbot in die USA zwar bis November 2026 ausgesetzt. Ein Bann für militärische Endnutzer bleibt aber bestehen. Jede Lieferung erfordert eine chinesische Lizenz.
Die USA importieren jährlich bis zu 25.000 Tonnen Antimon. Eigene Minen gibt es seit 2001 nicht mehr. Lediglich das Recycling von Bleibatterien deckt einen Bruchteil des Bedarfs. Genau diese strukturelle Lücke verleiht einem kleinen kanadischen Explorer wie Antimony Resources seine narrative Kraft.
Das Paradoxon von Bald Hill
Das Projekt Bald Hill in New Brunswick liefert operativ starke Ergebnisse. Anfang Juni meldete das Unternehmen neue Daten aus der sogenannten Südzone. Gesteinsproben über eine Länge von 200 Metern zeigten einen durchschnittlichen Antimongehalt von 19,5 Prozent. Diese Zone liegt südlich des Hauptkörpers und eröffnet ein völlig neues Explorationsziel.
CEO Jim Atkinson kennt das Geschäft. Er war früher Chefgeologe der Mine Lake George, Nordamerikas einst einziger produzierender Antimon-Anlage. Er hält Bald Hill für die wahrscheinlich hochgradigste Antimon-Lagerstätte des Kontinents. Dennoch rutscht die Aktie seit Wochen ab. Allein im letzten Monat verlor das Papier rund 22 Prozent.
Der Grund liegt im Makroumfeld. Laut Shanghai Metals Market fielen die Antimonpreise in der ersten Junihälfte. Käufer hielten sich zurück, Verkäufer boten hohe Rabatte. Hochgradige Gesteinsproben treiben keinen Aktienkurs, wenn der Rohstoff selbst unter Verkaufsdruck steht.
Tag der Abrechnung Ende Juni
Jetzt spitzt sich die Lage zu. Mehrere Katalysatoren treffen in einem engen Zeitfenster aufeinander. Ende April beendete das Unternehmen sein Bohrprogramm in der Hauptzone. Nun blicken alle auf die Berater von SRK Consultants. Sie sollen die erste formelle Ressourcenschätzung nach Branchenstandard liefern. Dass sich der Bericht auf Juni verschiebt, strapaziert die Geduld der Investoren bereits enorm.
Parallel dazu droht ein Überhang an Aktien. Am 29. Juni endet eine Haltefrist. Dann kommen gut 21 Millionen Aktien und Optionsscheine aus einer früheren Privatplatzierung auf den Markt. Damals sammelte das Unternehmen frisches Kapital zu 0,45 Kanadischen Dollar pro Anteilsschein ein. Da der aktuelle Kurs unter diesem Ausgabepreis liegt, fürchten Anleger zusätzliches Angebot.
Das politische Umfeld bleibt indes dynamisch. Im Mai 2026 sicherte sich Perpetua Resources einen Milliardenkredit der US-Export-Import-Bank für ein Projekt in Idaho. Washington will Lieferketten abseits von China etablieren. Auch lokal gibt es Rückendeckung. Der Rohstoffminister von New Brunswick besuchte das Projektgebiet Anfang Juni.
Antimony Resources plant den formellen Genehmigungsantrag für Ende 2026 oder Anfang 2027. Auch Abnahmeverträge werden bereits geprüft. Kurz gesagt: Die Logistik stimmt. Ein Tiefseehafen liegt in der Nähe, ein regionales Kernkraftwerk liefert Strom.
Die Aktie handelt in einer extrem volatilen Zone. Die annualisierte Schwankungsbreite liegt bei über 143 Prozent. Die anstehende Ressourcenschätzung ist nun die wichtigste kurzfristige Variable. Bestätigt die Zahl die geologische Story, könnte der Kurs schnell die 50-Tage-Linie bei 0,58 Euro testen. Eine Enttäuschung würde in Kombination mit dem Ende der Haltefrist selbst überzeugte Aktionäre auf die Probe stellen. Ende Juni wird abgerechnet.
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