Der KI-Entwickler Anthropic hat den Antrag für seinen US-Börsengang eingereicht und damit die zuletzt gebeutelten Technologiemärkte stabilisiert. Der Schritt sorgte für Erleichterung bei den Anlegern, legt aber zugleich die gewaltigen finanziellen Risiken des weltweiten Infrastruktur-Booms offen. Die Hoffnung auf neues Kapital trifft auf wachsende Skepsis über die Rentabilität der Ausgaben.
Milliardenschwere Verluste bei starkem Wachstum
Die eingereichten Börsenunterlagen unterstreichen den enormen Kapitalbedarf für das Anlernen und Skalieren großer Modelle. Im ersten Halbjahr 2026 verfünffachte sich der Nettoverlust von Anthropic auf rund 80,7 Milliarden Dollar. Die Erlöse lagen im selben Zeitraum bei etwa 16,3 Milliarden Dollar.
Am Markt wird das unter dem Kürzel ANT antretende Unternehmen nun mit rund 1,5 Billionen Dollar bewertet. Frühere Schätzungen hatten noch bei 2,0 Billionen Dollar gelegen.
Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der Investoren die schuldenfinanzierten Ausgaben im Sektor kritischer hinterfragen. Nicht nur Anthropic mobilisiert immense Summen: Meta plant die Aufnahme von bis zu 95 Milliarden Dollar für den Ausbau eigener Rechenzentren. Zeitgleich sicherte sich das Raumfahrt- und KI-Unternehmen SpaceX Serverhardware und Spezialchips über eine Leasingvereinbarung mit einem Gesamtvolumen von etwa 40 Milliarden Dollar. Die Absicherungskosten für Schuldtitel von Meta stiegen im Zuge dieser Pläne zuletzt auf ein Rekordhoch.
Erleichterung an den internationalen Börsen
An den Handelsplätzen überwog am Dienstag zunächst die Risikobereitschaft. In Südkorea legte der Leitindex KOSPI um 3,6 Prozent zu, getrieben von Kursgewinnen bei Halbleiterherstellern wie Samsung Electronics und SK Hynix. Dennoch steuert das südkoreanische Börsenbarometer im Oktober noch immer auf ein Monatsminus von 17 Prozent zu.
Die Erholung folgte der Tendenz an den US-Märkten vom Vortag. Der technologielastige NASDAQ Composite legte am Montag um 0,8 Prozent zu, während der S&P 500 ein Plus von 0,7 Prozent verbuchte.
Ob die Zuversicht im Technologiesektor trägt, hängt von den Bilanzen der großen Branchenschwergewichte ab. Am Mittwoch veröffentlichen Alphabet und Microsoft ihre Quartalsergebnisse für das abgelaufene Vierteljahr, am Donnerstag folgt Amazon. Ihre Angaben zu den tatsächlichen Erträgen aus den jüngsten Investitionswellen dürften die Richtung für die kommenden Monate vorgeben.
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