Anthropic hat seinen Investoren über das Wochenende eine Zahl mitgeteilt, die selbst für die eigenen Verhältnisse ungewöhnlich ist: Die annualisierte Umsatzrate kletterte Ende Juli auf 65 Milliarden Dollar. Das ist mehr als das Siebenfache des Werts von Ende 2025 — und ein deutlicher Sprung selbst gegenüber den 47 Milliarden Dollar, die das Unternehmen erst im Mai gemeldet hatte.
Für das zweite Quartal nannte Anthropic vorläufig 11,5 Milliarden Dollar Umsatz. Im Vergleichsquartal 2025 waren es noch rund 787 Millionen Dollar — ein Vierzehnfaches. Zum Vergleich: Für das gesamte Jahr 2025 kam Anthropic auf etwa 10 Milliarden Dollar Umsatz.
Vorsprung vor OpenAI
Die Wachstumszahlen bekommen zusätzliches Gewicht durch den direkten Vergleich mit dem Hauptkonkurrenten. OpenAI meldete zuletzt eine annualisierte Rate von 40 Milliarden Dollar — deutlich weniger als Anthropics 65 Milliarden Dollar, auch wenn beide Unternehmen die Kennzahl möglicherweise nicht exakt identisch berechnen.
Anthropic hat zudem für das jüngste Quartal ein positives bereinigtes operatives Ergebnis ausgewiesen, ein Detail, das in der laufenden IPO-Vorbereitung an Bedeutung gewinnt.
Die Dynamik kommt zu einem Zeitpunkt, der kaum besser passen könnte. Anthropic hat im Juni vertraulich einen Börsenprospekt bei der US-Börsenaufsicht eingereicht und führt bereits erste Gespräche mit potenziellen Investoren. Einen offiziellen Zeitplan für den Börsengang gibt es noch nicht, Marktbeobachter rechnen aber mit einem Debüt noch in diesem Herbst — und damit früher als bei OpenAI.
Parallel zum Wachstumsschub baut Anthropic sein Standing im Sicherheitsbereich aus. Mit Project Glasswing bietet das Unternehmen ausgewählten Infrastrukturbetreibern frühen Zugang zum Modell Claude Mythos 5 für defensive Cybersicherheitsarbeit. Zuletzt schloss sich die Kraken-Muttergesellschaft Payward dem Programm an, um damit eigene Systeme auf Schwachstellen zu prüfen.
Für Investoren bleibt die zentrale Beobachtung simpel: Die Umsatzkurve steigt schneller, als die meisten Prognosen es zuletzt abgebildet hatten. Ob sich dieses Tempo bis zu einem möglichen Herbst-Listing halten lässt, dürfte die entscheidende Variable für die Bewertung beim Börsengang sein.
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