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Anthropic Aktie: Mitgründer fordert Bremspedal

Anthropic-Mitgründer Jack Clark plädiert für eine koordinierte Verlangsamung der KI-Entwicklung, warnt aber vor Glaubwürdigkeitsproblemen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Mitgründer fordert KI-Bremspedal
  • Rekursive Selbstverbesserung als Risiko
  • 80 Prozent Code von KI generiert
  • Glaubwürdigkeit durch IPO-Pläne infrage gestellt

Ausgerechnet einer der wichtigsten Köpfe hinter Claude warnt jetzt vor dem eigenen Produkt — und stellt damit die Wachstumslogik des gesamten KI-Sektors infrage.

Jack Clark, Mitgründer von Anthropic, hat gemeinsam mit Marina Favaro, Leiterin des unternehmenseigenen Forschungsinstituts, einen Blogbeitrag veröffentlicht, der es in sich hat. Kernthese: Die KI-Industrie braucht dringend ein Bremspedal. Heute fehlt es völlig.

Was Clark meint — und warum es diesmal anders klingt

Der konkrete Auslöser ist das Konzept der rekursiven Selbstverbesserung. Gemeint ist der Punkt, an dem KI-Systeme eigenständig leistungsfähigere Nachfolger entwickeln — ohne menschliches Zutun. Anthropic schätzt, dass die Fähigkeit seiner Modelle zur selbstständigen Aufgabenerledigung sich ungefähr alle vier Monate verdoppelt. Clark hält es für realistisch, dass dieser Kipppunkt früher eintrifft, als die meisten Institutionen darauf vorbereitet sind.

Besonders pikant: Bereits heute soll rund 80 Prozent des Codes für Claudes Entwicklung von der KI selbst generiert werden. Innerhalb von zwei Jahren könnte dieser Anteil gegen 100 Prozent tendieren.

Anthropic fordert deshalb eine koordinierte, überprüfbare Verlangsamung — getragen von mehreren führenden Laboren gleichzeitig. Ein Alleingang eines einzelnen Unternehmens würde laut Clark wenig bringen: Er würde lediglich die Rangfolge unter den Wettbewerbern verschieben, nicht aber den fehlenden gesellschaftlichen Diskurs erzwingen. OpenAI, xAI, Alphabet, Meta und Mistral haben sich zu dem Vorstoß bislang nicht geäußert.

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Glaubwürdigkeit unter Druck

Das Timing ist heikel. Anthropic wurde zuletzt in einer Finanzierungsrunde mit knapp 965 Milliarden Dollar bewertet und hat vertraulich einen Börsengang in den USA beantragt — die Bewertung nähert sich damit der Billionen-Dollar-Marke. Wer gleichzeitig maximales Wachstum anpeilt und die eigene Technologie als potenziell unkontrollierbar beschreibt, setzt sich dem Vorwurf aus, Safety-Rhetorik als Marketinginstrument zu nutzen.

Dieser Verdacht ist nicht neu. Anfang 2026 ruderte Anthropic bei einem zentralen Sicherheitsversprechen zurück: Das Unternehmen erklärte, gefährliche Modelle nicht länger zurückhalten zu wollen, sobald Konkurrenten ähnliche Fähigkeiten entwickeln. Parallel geriet es in einen Konflikt mit der US-Regierung, nachdem es sich geweigert hatte, seine Modelle für autonome Waffensysteme und Inlandsüberwachung freizugeben — ein Streit, der inzwischen offenbar erste Entspannungszeichen zeigt.

Das Anthropic Institute will in den kommenden Monaten Regulierer, Forscher und rivalisierende KI-Firmen an einen Tisch bringen, um konkrete Rahmenbedingungen für eine mögliche Verlangsamung zu erarbeiten. Ob aus dem Gesprächsangebot verbindliche Abkommen werden, hängt davon ab, wie viele der anderen Frontier-Labs mitmachen — und ob Anthropic selbst bereit ist, die eigene Wachstumsstrategie tatsächlich dem eigenen Sicherheitsanspruch unterzuordnen.

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