Anthropic steht zwischen zwei Welten. Das KI-Unternehmen treibt seinen Börsengang voran — und kämpft gleichzeitig mit behördlichen Auflagen, die sein Geschäft massiv einschränken.
Im Juni stoppte die US-Regierung den globalen Zugriff auf Anthropics Spitzenmodelle Fable 5 und Mythos 5. Auslöser war „Project Glasswing“: Bei einem Sicherheitstest hatte Mythos 5 innerhalb weniger Stunden Schwachstellen in hochsensiblen Regierungssystemen identifiziert. Die US-Regierung verhängte daraufhin Exportkontrollen.
Ein Startup namens Legion verklagte daraufhin das Handelsministerium und dessen Chef Howard Lutnick. Der Vorwurf: Die Zugangssperren hätten dem Unternehmen irreparablen Schaden zugefügt. Anthropic selbst betont, weiter mit den Behörden zu kooperieren.
Milliarden für die Infrastruktur
Parallel zum regulatorischen Hickhack baut Anthropic seine technische Basis aus. Am 23. Juni schloss das Unternehmen einen strategischen Deal mit Micron Technology. Der Chipkonzern liefert künftig Hochleistungsspeicher (HBM, DRAM, SSD) für Anthropics KI-Modelle.
Micron beteiligte sich zudem an Anthropics Series-H-Finanzierungsrunde. Diese brachte 65 Milliarden Dollar ein und bewertet das Unternehmen mit rund 965 Milliarden Dollar. Der Deal folgt auf eine Reihe weiterer Großinvestitionen in die Recheninfrastruktur.
Kurs der Aktienfutures unter Druck
Anthropic reichte am 1. Juni vertraulich einen S-1-Börsenprospekt bei der SEC ein. Der Börsengang ist für Oktober 2026 geplant. Das Interesse am Unternehmen ist groß, doch die Kurse der vorbörslich gehandelten Futures gaben zuletzt nach.
Die Volatilität im Technologiesektor belastet. Hinzu kommen operative Probleme: Immer wieder kommt es zu Serviceausfällen. Analysten beobachten gespannt, wie sich das Spannungsfeld zwischen staatlichen Sicherheitsauflagen und privatem Infrastrukturausbau auf das Wachstum auswirkt. Der Börsengang dürfte ein erster wichtiger Test werden.
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