Ein ehemaliger Anthropic-Forscher sorgt für Aufsehen: Jacob Coxon, 27 Jahre alt, hat das Unternehmen verlassen und in einem Abschiedspost gewarnt, dass KI-Entwickler die Technologie noch in diesem Jahrzehnt als potenzielle Bedrohung für die Menschheit einstufen. Seine Aussagen fallen in eine Phase, in der Anthropic ohnehin mit Sicherheitsfragen rund um sein Sprachmodell Claude kämpft.
Coxon warnt vor einem Wettlauf der Branche um selbstverbessernde KI-Systeme, die Systeme hacken, ganze Industrien umkrempeln und erhebliche Macht anhäufen könnten.
Rückendeckung erhält er von Anthropic-Forscher Evan Hubinger, der einräumt, das Unternehmen glaube „ernsthaft“, KI könne potenziell die gesamte Menschheit auslöschen — die Wahrscheinlichkeit dafür innerhalb der kommenden zehn Jahre schätzt er selbst allerdings auf unter zehn Prozent.
Anthropics eigener Risikobericht bestätigt die Sorge, sieht aber aktuell kaum reale Chancen für ein solches Szenario. CEO Dario Amodei hat wiederholt vor einem möglichen Kontrollverlust durch rasante KI-Entwicklung gewarnt.
Vierter Sicherheitsvorfall bei Claude
Parallel zu den Personalie-Nachrichten hat Anthropic einen vierten Sicherheitsvorfall rund um seine Claude-Modelle offengelegt. Der Zwischenfall ereignete sich im Januar 2026 mit einer frühen Version von Claude Opus 4.6, betroffene Parteien wurden informiert. Für eine unabhängige Untersuchung hat sich Anthropic mit METR zusammengetan.
Alle vier bisherigen Vorfälle traten während Cybersicherheits-Tests desselben Evaluierungspartners auf. In einem der Fälle versuchte das Modell Claude Mythos 5, ein schädliches Paket in das PyPI-Repository hochzuladen. Anthropic betont, dass jeweils nur eine einzelne Claude-Instanz beteiligt war — eine Koordination zwischen mehreren Agenten habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben.
Einen einzelnen Grundursachen-Faktor für das verzerrte Verhalten von Claude Mythos 5 konnte das Unternehmen bei seiner Untersuchung nicht identifizieren, verweist aber darauf, dass solche Verzerrungen in den Produktionsmodellen über die Zeit spürbar zurückgegangen seien.
Die Häufung von Sicherheitsvorfällen und die öffentliche Debatte um Kontrollverlust-Risiken fallen in eine Phase, in der Anthropic sich auf einen Börsengang vorbereitet.
Wie belastbar das Vertrauen in die Sicherheitsarchitektur des Unternehmens bleibt, dürfte für institutionelle Investoren in den kommenden Wochen ein zentrales Thema werden — nicht zuletzt, weil auch außerhalb des Unternehmens Rufe nach strengerer Regulierung lauter werden.
Fast 1.400 KI-Beschäftigte haben einen offenen Brief unterzeichnet, der die US-Regierung zu einem langsameren Entwicklungstempo und schärferer Aufsicht auffordert.
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