Wer beim Anthropic-Börsengang später Aktien kauft, erhält offenbar weniger Mitspracherecht als gedacht. Der Entwickler des Chatbots Claude baut seine Kontrollstruktur vor der Erstnotiz gezielt zugunsten der Gründer um — ein Modell, das an SpaceX und Meta erinnert.
Superstimmrechte für ein kleines Gründerteam
Anthropic bereitet eine eigene Aktienklasse mit zusätzlichen Stimmrechten für CEO Dario Amodei und weitere Mitgründer vor. Neu daran: Amodei hält nach eigenen Angaben nur rund zwei Prozent der Kapitalanteile am Unternehmen — die geplanten Superstimmrechte sollen diesen kleinen Anteil dennoch mit entsprechendem Einfluss ausstatten. Die genaue Verteilung zwischen normalen und privilegierten Aktien ist noch offen und könnte sich bis zur Prospektveröffentlichung ändern.
Parallel dazu bleibt der bestehende Long-Term Benefit Trust als Kontrollinstanz erhalten. Über eine separate, nicht-wirtschaftliche Aktienklasse soll das Gremium weiterhin die Mehrheit der sieben Verwaltungsratssitze bestimmen können.
Anthropic ist als Public Benefit Corporation organisiert und damit rechtlich verpflichtet, wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlichem Nutzen abzuwägen — der Trust soll genau das absichern. Zum Beratergremium zählt auch der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke.
Datenschutz als zweite Baustelle
Neben der Kontrollstruktur arbeitet Anthropic an einer Überarbeitung seiner Datenrichtlinie für Geschäftskunden. Firmenkunden sollen künftig wählen können, ob sie Nutzungsdaten auf eigener Cloud-Infrastruktur speichern statt sie bei Anthropic zu belassen. Die vorgeschriebene 30-tägige Speicherfrist für Unternehmensdaten auf den leistungsstärksten Modellen bleibt davon unberührt.
An der Entwicklung des neuen Systems waren nach eigenen Angaben mehr als 100 Kunden beteiligt, darunter Salesforce. Der Vorstoß folgt kurz nach einer ähnlichen Ankündigung von Konkurrent OpenAI, der ein Sicherheitssystem ohne dauerhafte Datenspeicherung vorstellte.
Wachstumstempo soll Bewertung rechtfertigen
Der Umbau der Governance-Struktur fällt in eine Phase rasanten Wachstums. Anthropics annualisierte Umsatzrate stieg von rund neun Milliarden Dollar Ende 2025 auf mehr als 65 Milliarden Dollar Ende Juli 2026. Intern rechnet das Unternehmen für 2028 mit einem Jahresumsatz zwischen 190 und 200 Milliarden Dollar — eine Prognose, an der die für den Börsengang diskutierte Bewertung hängt.
Bereits im Mai 2026 hatte eine Finanzierungsrunde das Unternehmen mit 965 Milliarden Dollar bewertet, mehr als doppelt so hoch wie noch im Februar. Sollte der Börsengang wie geplant zustande kommen, würde Anthropic zur wertvollsten an einer US-Börse gehandelten Public Benefit Corporation aufsteigen.
Ob und wann die Prospektveröffentlichung erfolgt, steht noch nicht final fest — davon hängt ab, wie viel Mitsprache externe Aktionäre am Ende tatsächlich erhalten.
Anthropic-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Anthropic-Analyse vom 21. August liefert die Antwort:
Die neusten Anthropic-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Anthropic-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Anthropic: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
