Der geplante Börsengang von Anthropic bekommt eine internationale Komponente. Das KI-Unternehmen will im Rahmen seiner US-Notierung Aktien im Wert von bis zu 552,9 Milliarden Yen an Investoren in Japan verkaufen. Das sind umgerechnet rund 3,5 Milliarden Dollar.
Was die Japan-Tranche bedeutet
Der Erlös aus den neuen Aktien soll als Betriebskapital dienen und Betriebsausgaben sowie Investitionen finanzieren. Zur Gesamtgröße des Börsengangs und zur Bewertung macht die Unterlage keine Angaben. In Investorenkreisen kursiert allerdings eine Bewertung von etwa 1,5 Billionen Dollar. Andere Schätzungen reichen bis zu 2 Billionen Dollar.
Ein Vergleich zeigt die Dimension. Beim SpaceX-Börsengang im Juni, dem bislang größten der Geschichte, sicherten sich japanische Anleger Aktien für 2,2 Milliarden Dollar. Insgesamt flossen damals 75 Milliarden Dollar. Anthropic peilt in Japan also eine deutlich größere Tranche an.
Starkes Wachstum, hohe Verpflichtungen
Anthropic hatte den S-1-Antrag am 26. Oktober bei der US-Börsenaufsicht eingereicht. Die Aktie soll am Nasdaq Global Select Market unter dem Kürzel ANT laufen. Der Antrag gibt erstmals tiefe Einblicke in die Zahlen.
Im ersten Halbjahr setzte das Unternehmen 16,3 Milliarden Dollar um. Im dritten Quartal allein waren es 16,8 Milliarden Dollar, ein Plus von mehr als 1.300 Prozent zum Vorjahr. Der operative Cashflow war mit 3,9 Milliarden Dollar positiv.
Der Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr wirkt zunächst gewaltig. Er spiegelt Angaben zufolge überwiegend nicht zahlungswirksame Anpassungen von Finanzinstrumenten wider.
Auf der Kehrseite stehen Compute-Verträge über mehrere hundert Milliarden Dollar. Beteiligt sind unter anderem Amazon, Alphabet, Microsoft und Broadcom. Anthropic räumt ein, dass weiteres Kapital nötig wird. Zudem verweist das Unternehmen auf regulatorische und ökologische Bedenken beim Bau von Rechenzentren und beim Strombedarf. Die Governance-Struktur lässt öffentlichen Aktionären kaum Mitsprache.
Marktbeobachter registrieren, dass die anfängliche Euphorie etwas nachgelassen hat. Investoren wägen das enorme Umsatzwachstum gegen die Finanzierungszusagen ab.
Ausblick
Die Japan-Tranche ist ein erstes konkretes Signal zur Kapitalstruktur. Größe und Preisspanne des Gesamtangebots stehen noch aus. Sie dürften zeigen, ob die Bewertung von 1,5 Billionen Dollar am Markt trägt.
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