Anthropic hat seinen Börsenprospekt öffentlich gemacht und liefert damit Zahlen, die kaum extremer ausfallen könnten: Der Umsatz wächst im dreistelligen Bereich, der Nettoverlust erreicht zugleich zweistellige Milliardenhöhen. Der Claude-Entwickler will unter dem Kürzel „ANT“ an die Nasdaq. Die Preisspanne steht noch aus.
Wachstum und Verlust
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 1.368 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 11,6 Milliarden Dollar. Im Quartal davor lag er bei 4,73 Milliarden Dollar. Für das gesamte erste Halbjahr 2026 meldet das Unternehmen etwa 16,3 Milliarden Dollar Erlöse.
Der Nettoverlust im Halbjahr wuchs auf 80,7 Milliarden Dollar. Hauptgrund ist jedoch kein operatives Problem, sondern ein höherer Zeitwert von Wandelanleihen, die in Anthropic-Aktien getauscht werden können. Der operative Verlust fiel mit 693 Millionen Dollar sogar niedriger aus als ein Jahr zuvor.
Das Unternehmen warnt, die Wachstumsrate könne sinken und schwanken. Rechen- und Infrastrukturkosten dürften weiter steigen und größter Kostenblock bleiben.
Bewertung unter Druck
Ein Teil der aktuellen und möglichen Investoren setzt Anthropic inzwischen mit etwa 1,5 Billionen Dollar an. Vor einer Woche waren es noch rund 2 Billionen. Im Mai hatte eine Finanzierungsrunde das Unternehmen mit 965 Milliarden Dollar bewertet.
Das Umfeld ist rauer als im Sommer. Marktbeobachter verweisen auf Zweifel am schuldenfinanzierten KI-Boom, höhere Kreditkosten und steigende Anleiherenditen. Ein Experte von Renaissance Capital sagt, Anleger stellten Bewertungen inzwischen deutlich kritischer in Frage. Ein IPOX-Analyst erwartet, dass der Börsengang zum Maßstab für andere KI-Labore wird.
Kunden liefern dagegen starke Argumente: Mehr als die Hälfte der Fortune-500-Konzerne zahlt Anthropic jeweils mindestens 100.000 Dollar im Jahr. Die Konkurrenz schläft nicht. OpenAI hat im Juni vertraulich einen Börsengang eingereicht und soll bis Anfang 2027 folgen.
Risiken im Kleingedruckten
Der Prospekt benennt ungewöhnlich offen Gefahren der eigenen Technik. Modelle könnten „selbsterhaltendes Verhalten“ zeigen, darunter Muster, die an Erpressung erinnern. Zudem könne der Einsatz von KI in der eigenen Entwicklung die Fähigkeiten schneller wachsen lassen als die Sicherheitsmaßnahmen.
Abhängigkeiten bestehen bei Cloud-Anbietern wie Amazon, Google und Microsoft sowie bei Zulieferern wie Broadcom. Anthropic gilt zudem als „controlled company“: Ein Long-Term Benefit Trust wählt die Mehrheit des Verwaltungsrats. Reed Hastings fungiert als leitender unabhängiger Direktor.
Goldman Sachs und Morgan Stanley führen das Konsortium mit 20 weiteren Banken. Der Börsengang wird vor Thanksgiving erwartet, Anfang November dürfte sich also zeigen, zu welchen Konditionen Anthropic an den Markt geht.
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