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Anthropic Aktie: 45-Milliarden-Vertrag mit Nscale für Chips

Anthropic integriert Claude in Industrieprozesse, steigert seine Umsatzrate auf 65 Milliarden US-Dollar und bereitet den Börsengang vor.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Claude soll Laborgeräte autonom bedienen
  • MHS verkürzt Geräteintegration auf Stunden
  • Salesforce bewertet Anthropic-Anteil mit 5,1 Milliarden
  • IPO für Oktober 2026 angestrebt

Das KI-Unternehmen Anthropic baut seine Präsenz in der industriellen Automatisierung massiv aus und vertieft die Integration in führende Software-Ökosysteme. Mit der Vorstellung eines neuen Hardware-Standards für seine Claude-KI sowie einer erweiterten Kooperation mit Salesforce unterstreicht das Unternehmen seine Ambitionen im Enterprise-Sektor.

Zeitgleich verdeutlichen die jüngsten Quartalszahlen von Großinvestoren die enorme Wertsteigerung des Start-ups im Vorfeld des für Herbst geplanten Börsengangs.

Autonome Steuerung von Laboren und Fertigungsanlagen

Gestern veröffentlichte Anthropic eine Forschungs-Vorschau des sogenannten Model Hardware Standard (MHS). Diese Technologie soll es KI-Agenten auf Basis von Claude ermöglichen, wissenschaftliche Laborgeräte und industrielle Fertigungsanlagen wie Mikroskope, Flüssigkeitshandhaber oder Roboterarme eigenständig zu bedienen.

Laut Unternehmensangaben konnte die Zeit für die Integration solcher Geräte durch MHS von mehreren Wochen oder Monaten auf wenige Stunden verkürzt werden.

Zu den Partnern dieser Initiative gehören Schwergewichte wie Genentech, AWS, Doosan Robotics und Raspberry Pi. Der Standard basiert auf dem Model Context Protocol und soll nach einer Phase der Sicherheitsbewertung als Open-Source-Lösung freigegeben werden. Diese Entwicklung markiert einen strategischen Schritt, KI-Modelle über rein digitale Anwendungen hinaus direkt in physische Produktionsprozesse einzubinden.

Bewertungssprung treibt Bilanzen der Investoren

Die wirtschaftliche Dynamik von Anthropic spiegelt sich deutlich in den Finanzergebnissen seiner Geldgeber wider. Gestern berichtete Salesforce im Rahmen seiner Ergebnisse für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 von einem nicht realisierten Gewinn in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar aus seiner Beteiligung an Anthropic.

Die Position wird nun mit rund 5,1 Milliarden US-Dollar bewertet – ein Vielfaches des ursprünglichen Investments von etwa 50 Millionen US-Dollar im Jahr 2023. Salesforce selbst übertraf mit einem Quartalsumsatz von 11,35 Milliarden US-Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 5,90 US-Dollar die Markterwartungen.

Auch andere Investoren verzeichnen erhebliche Wertzuwächse. Medienberichten zufolge beziffert Zoom den Wert seines Anteils an Anthropic inzwischen auf rund 3 Milliarden US-Dollar. Dieser Anstieg resultiert maßgeblich aus der im Mai abgeschlossenen Finanzierungsrunde (Series H) über 65 Milliarden US-Dollar, die das Unternehmen mit 965 Milliarden US-Dollar bewertete.

Neue Vertriebs-KI und Fokus auf Sicherheit

Parallel zur technologischen Hardware-Anbindung vertiefen Salesforce und Anthropic ihre operative Zusammenarbeit. Mit dem Plugin „Claudeforce“ erhält der Claude-Chatbot Zugriff auf 37 vordefinierte Vertriebsfähigkeiten, um beispielsweise E-Mails zu verfassen oder Datensätze in Salesforce und Slack zu aktualisieren. Es ist das erste Mal, dass Salesforce einem externen Partner die Nutzung des Markennamens „force“ gestattet. CEO Dario Amodei betonte, dass beide Unternehmen gemeinsam an Sicherheitsvorkehrungen für den Schutz von Unternehmensdaten arbeiten.

Dass Anthropic Sicherheitsaspekte über die reine Performance stellt, untermauert ein am 14. August veröffentlichter Risikobericht. Das Unternehmen entschied sich gegen die Freigabe des intern leistungsfähigeren „Model 2“. Als Grund wurden gestiegene Risiken für Fehlsteuerungen in kritischen Szenarien angeführt, die im Zuge interner Tests und früherer Cybersicherheitsvorfälle identifiziert wurden.

Milliarden-Deals und Milliarden-Umsätze vor dem IPO

Das Wachstum des Unternehmens beschleunigt sich derweil rasant. Mitte August wurde bekannt, dass die annualisierte Umsatzrate von Anthropic Ende Juli die Marke von 65 Milliarden US-Dollar überschritten hat – eine Steigerung von rund 38 Prozent gegenüber den im Mai gemeldeten 47 Milliarden US-Dollar.

Um den Hunger nach Rechenleistung zu stillen, schloss das Unternehmen am vergangenen Freitag eine Vereinbarung mit dem Anbieter Nscale ab. Anthropic verpflichtet sich darin zur Abnahme von KI-Rechenkapazität im Wert von 45 Milliarden US-Dollar über die nächsten sechs Jahre. Dabei sollen ab Ende 2027 moderne Vera-Rubin-Chips von Nvidia eingesetzt werden.

Diese Schritte ebnen den Weg für den geplanten Börsengang an der Nasdaq. Laut Bloomberg wird das IPO für Oktober 2026 angestrebt, wobei Citigroup, Goldman Sachs und JPMorgan das Verfahren begleiten sollen.

Investoren zielen auf eine Bewertung von 2 Billionen US-Dollar oder mehr ab. Damit könnte der Börsengang von Anthropic den bisherigen Rekord von SpaceX übertreffen. Ein vertraulicher Entwurf des Börsenprospekts wurde bereits im Juni bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht.

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Diskussion zu Anthropic

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.