BofA Securities hat Anglo American am Montag auf „Kaufen“ hochgestuft. Das Analysehaus begründet den Schritt mit dem Wachstumspotenzial im Kupfergeschäft durch die geplante Fusion mit Teck. Damit rückt es die Perspektiven des Zusammenschlusses in den Vordergrund – während die jüngsten Produktionszahlen rückläufige Fördermengen zeigen und eine andere Analystenstimme zur Vorsicht mahnt.
Gegensätzliche Anlageurteile
Die Kaufempfehlung folgt auf eine entgegengesetzte Entscheidung: Freedom Broker hatte Anglo American am 23. Oktober von „Halten“ auf „Verkaufen“ herabgestuft. Die beiden Analystenaktionen ergeben damit kein einheitliches Bild für Anleger.
Die ausdrücklich genannte Begründung von BofA richtet sich auf künftiges Kupferwachstum. Sie ist deshalb nicht mit einer Verbesserung der bereits gemeldeten Produktion gleichzusetzen. Zudem bleibt die Fusion mit Teck ein geplantes Vorhaben. Das von BofA angeführte Potenzial beschreibt eine Perspektive und keinen bereits erreichten operativen Fortschritt.
Weniger Förderung, bestätigte Jahresziele
Anglo American meldete am 20. Oktober einen Produktionsrückgang bei Kupfer und Premium-Eisenerz. Zugleich hielt das Unternehmen an seinen Jahresprognosen für beide Rohstoffe fest. Die operative Bilanz fällt damit differenzierter aus als ein bloßer Blick auf die gesunkenen Fördermengen.
Im dritten Quartal 2026 sank die Kupferproduktion gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent auf 174.900 Tonnen.
Für die Einordnung der Kaufempfehlung ist diese Entwicklung wesentlich: Die Wachstumsargumentation von BofA bezieht sich auf die geplante Fusion, nicht auf steigende Mengen im berichteten Quartal.
Für 2026 bestätigte Anglo American seine Kupferprognose von 700 bis 760 Kilotonnen. Beim Premium-Eisenerz blieb die erwartete Jahresförderung bei 55 bis 59 Millionen Tonnen.
Das Festhalten an den Zielen steht den schwächeren Quartalsmengen gegenüber. Eine Anhebung gab es dagegen bei den Diamanten: Hier erhöhte Anglo American die Produktionsprognose auf 25 bis 28 Millionen Karat.
Nickelverkauf bleibt Gegenstand der Prüfung
Parallel zur Fusionsperspektive steht der geplante Verkauf des brasilianischen Nickelgeschäfts an MMG auf der Agenda. Am Montag verlängerte die Europäische Kommission ihre Prüffrist bis zum 21. Dezember.
Bloomberg berichtete am 23. Oktober über ein Angebot von MMG für eine rechtlich durchsetzbare Garantie. Diese soll bestehende Ferronickellieferungen an europäische Kunden sichern und wettbewerbsrechtliche Bedenken der EU adressieren.
Für Anleger stehen damit unterschiedliche Entwicklungen nebeneinander: BofA setzt auf das Kupferpotenzial der geplanten Fusion, die Produktion ist rückläufig und der Nickelverkauf bleibt Gegenstand der Prüfung. Die Kaufempfehlung ist somit vor allem ein Urteil über künftige Möglichkeiten – nicht über bereits realisiertes Wachstum.
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