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Ams Osram Aktie: Freier Cashflow bricht auf minus 119 Millionen

Ams Osram übertrifft Umsatzprognose, kämpft jedoch mit negativem freiem Cashflow und steigenden Schulden nach dem Infineon-Deal.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatz und Design-Wins übertreffen Erwartungen
  • Freier Cashflow tief im Minus
  • Neue Anleihen zur Zinsentlastung geplant
  • Analysten uneins über Aktienbewertung

Ams Osram hat am Dienstag Quartalszahlen vorgelegt, die am oberen Ende der eigenen Prognose lagen – und trotzdem für ein zwiespältiges Bild an der Börse gesorgt. Während Umsatz und Design-Wins die Erwartungen übertrafen, brach der freie Cashflow tief ins Minus. Die Aktie reagierte zunächst euphorisch, gab die Gewinne dann aber größtenteils wieder ab.

Umsatz und Design-Wins übertreffen die eigene Prognose

Im zweiten Quartal 2026 erzielte der Sensor- und Lichtspezialist einen Umsatz von 805 Millionen Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,9 Prozent – beides am oberen Rand der Zielspanne. Unbereinigt lag die Marge bei 14,2 Prozent. Der Halbleiterumsatz kletterte auf 621 Millionen Euro von 583 Millionen Euro im Vorjahresquartal, das Kernportfolio wuchs auf vergleichbarer Basis und bei konstanten Wechselkursen um 13 Prozent. Zusätzlich verbuchte der Konzern Design-Wins von mehr als 1,6 Milliarden Euro allein im zweiten Quartal, im ersten Halbjahr summierten sich diese auf rund 2,5 Milliarden Euro. Parallel meldete das Unternehmen Fortschritte bei microLED-Array-basierten Lichtmodulen für AR-Smart-Brillen der nächsten Generation und baut sein AI-Photonics-Portfolio aus. Seit Anfang Juli firmiert dieses Geschäft in einer eigenen, dedizierten Digital-Photonics-Sparte.

An der Schweizer Börse sprang die Aktie nach Handelsstart um mehr als 12 Prozent, fiel anschließend aber wieder deutlich zurück und schloss letztlich nur rund 1,2 Prozent im Plus. Im aktuellen Handel notiert das Papier bei 19,25 Euro, ein Plus von 1,85 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht seit den Quartalszahlen ein Anstieg von 11,59 Prozent zu Buche – die Erholung nach dem verpuffenden Kurssprung ist also nachträglich doch noch gelungen.

Cashflow bricht ein, Schulden steigen nach Infineon-Deal

Den Schatten auf die sonst solide Bilanz wirft der Cashflow. Der bereinigte freie Cashflow verschlechterte sich auf minus 119 Millionen Euro, nach minus 14 Millionen im Vorjahresquartal und noch plus 37 Millionen im ersten Quartal 2026. Gleichzeitig stiegen die Nettoschulden zum Ende des zweiten Quartals auf 1.288 Millionen Euro, verglichen mit 1.071 Millionen Euro drei Monate zuvor. Der Anstieg hängt auch mit dem Verkauf des Non-Optical-Sensor-Geschäfts an Infineon zusammen, dessen Erlöse erst am 1. Juli flossen – zum Quartalsende hielt Ams Osram entsprechend liquide Mittel von 994 Millionen Euro.

Um die Zinslast zu senken, platzierte der Konzern neue vorrangige Anleihen über 1 Milliarde Euro mit einem Kupon von 7,25 Prozent, was jährliche Zinskosten von rund 40 Millionen Euro einsparen soll. Zusätzlich plant das Unternehmen ein öffentliches Rückkaufangebot über 120 bis 150 Millionen Euro für Wandelanleihen von 2027 und vorrangige Anleihen von 2029, finanziert aus den Erlösen des Infineon-Verkaufs. Der zuvor bereits vereinbarte Verkauf des CMOS-Image-Sensor-Geschäfts an Indie Semiconductors rundet die laufende Portfoliobereinigung ab.

Analysten uneins: Lob für Wachstum, Kritik am Cashflow

Am Tag der Zahlen fielen die Reaktionen der Analysehäuser gespalten aus. Jefferies hob vor allem die Fortschritte bei Digital Photonics hervor und traute Ams Osram mit den neuen Lichttechnologien für Smartbrillen und KI-Rechenzentren künftig ein Geschäft mit Milliardenpotenzial zu – die Aktie bezeichnete das Haus als die günstigste im globalen Halbleitersektor. Die UBS sprach von einem soliden Zahlenwerk und erwartet infolge der Resultate und des Ausblicks steigende Gewinnschätzungen für 2026. Die ZKB lobte das Kerngeschäft mit seinem Wachstum von 13 Prozent als sehr positiv, äußerte sich zusammen mit Vontobel aber enttäuscht über den deutlich schwächeren Cashflow.

Für das dritte Quartal rechnet Ams Osram mit einem Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro und einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,0 Prozent plus/minus 1,5 Prozentpunkten, unterstellt bei einem Euro-Dollar-Kurs von 1,15. Die Prognose berücksichtigt bereits die Entkonsolidierung des an Infineon verkauften Geschäfts, das sonst zusätzlich rund 40 Millionen Euro Umsatz und 20 Millionen Euro bereinigtes EBITDA beigetragen hätte. Für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern seinen Ausblick im Wesentlichen, rechnet wegen der Veräußerungen und des schwächeren Dollars aber weiter mit einem leichten Umsatzrückgang. Für 2027 hält Ams Osram an dem Ziel fest, zu einem positiven freien Cashflow zurückzukehren.

Kamper bis 2031 im Amt

Bereits am 30. Juli hatte der Aufsichtsrat für Kontinuität an der Spitze gesorgt: Vorstandsvorsitzender Aldo Kamper erhielt einen neuen, bis zum 30. September 2031 laufenden Vertrag, der zum 1. Oktober 2026 in Kraft tritt und den bisherigen, bis März 2027 befristeten Vertrag ablöst. Aufsichtsratsvorsitzende Margarete Haase begründete die frühzeitige Verlängerung damit, dass Kamper das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet, die Finanzbasis gestärkt und eine klare Positionierung im Bereich Digital Photonics geschaffen habe. Zum Ende des zweiten Quartals hielt der Konzern zudem rund 89 Prozent der Aktien der Osram Licht AG.

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Diskussion zu Ams Osram

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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