Ams Osram arbeitet weiter am Schuldenabbau – doch ausgerechnet der geplante Verkauf von Unternehmensteilen sorgt für politischen und internen Gegenwind. Im Zentrum steht ein möglicher Deal mit Infineon, der finanziell Entlastung bringen soll, zugleich aber tausende Arbeitsplätze ins Spiel bringt. Wie belastbar ist dieses Balance-Spiel zwischen Bilanzsanierung und Standortsicherung?
Verkauf an Infineon als Knackpunkt
Kern der aktuellen Entwicklung sind die bestätigten Verhandlungen über den Teilverkauf des passiven optischen Komponentengeschäfts. Laut Marktgerüchten wird Infineon als bevorzugter Käufer gehandelt. Im Raum steht eine Bewertung von rund 550 Millionen Euro.
Für Ams Osram wäre ein solcher Mittelzufluss ein wichtiger Hebel, um den laufenden Schuldenabbau zu beschleunigen. Entsprechend groß ist die Hoffnung vieler Investoren, dass ein Abschluss bald gelingt. Eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung zur Wochenmitte blieb jedoch ohne finale Entscheidung, eine Ad-hoc-Meldung blieb aus. Das verlängert die Hängepartie – und hält die Spekulationen am Leben.
Die jüngste Kursentwicklung spiegelt diese vorsichtige Zuversicht wider: Auf Monatssicht liegt die Aktie rund 10 % im Plus, der Schlusskurs am Freitag betrug 9,11 Euro. Gleichzeitig bleibt der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch bei gut einem Drittel, was den nach wie vor bestehenden Revisionsbedarf im Geschäftsmodell und in der Bilanz unterstreicht.
Gewerkschaften erhöhen den Druck
Parallel zu den Gesprächen mit Infineon formiert sich massiver Widerstand auf Arbeitnehmerseite. Die österreichischen Gewerkschaften GPA und PRO-GE sowie der Betriebsrat warnen vor einem Verkauf ohne verbindliche Standortgarantien.
Konkret im Fokus steht das Werk im steirischen Premstätten:
- Rund 1.300 Arbeitsplätze in Österreich gelten als potenziell gefährdet.
- Befürchtet wird eine Verlagerung der Produktion in bestehende Infineon-Werke.
- Gefordert werden rechtsverbindliche Zusagen zur Standortsicherung vor einer Zustimmung zum Deal.
Ein offener Konflikt mit der Belegschaft könnte den Restrukturierungspfad von Ams Osram bremsen. Verzögerungen oder zusätzliche Auflagen würden die erwartete Entlastungswirkung eines Verkaufs zumindest zeitlich strecken. Marktteilnehmer sehen hier das zentrale Risiko: Je länger der Prozess dauert, desto größer die Unsicherheit über die künftige Struktur des Konzerns.
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Fortschritte beim Schuldenabbau
Neben den M&A-Spekulationen gab es in dieser Woche aber auch einen klaren operativen Fortschritt. Ams Osram hat das Teilrückkaufangebot für Wandelanleihen mit Fälligkeit 2027 abgeschlossen. Die wertmäßige Abwicklung erfolgte am Mittwoch, den 21. Januar.
Dieser Schritt signalisiert, dass das Management die Entschuldung unabhängig vom möglichen Infineon-Deal vorantreibt. Der Rückkauf reduziert künftige Zins- und Tilgungsbelastungen und verschafft dem Unternehmen etwas mehr finanziellen Spielraum, selbst wenn sich die Verhandlungen über den Verkauf der Geschäftsparteien hinziehen sollten.
Charttechnik: Erholung mit Fragezeichen
Aus technischer Sicht hat sich das Bild zuletzt aufgehellt, bleibt aber fragil. Die Aktie notiert mit 9,11 Euro klar über dem 50‑Tage-Durchschnitt von 8,46 Euro und rund 52 % über dem 52‑Wochen-Tief bei 5,98 Euro. Gleichzeitig liegt der Kurs noch gut 10 % unter dem 200‑Tage-Durchschnitt, was den übergeordneten Erholungscharakter betont.
Auffällig ist der sehr niedrige RSI von 16,4 auf 14‑Tage-Basis. Das deutet darauf hin, dass die Aktie kurzfristig als stark überverkauft gilt und Schwankungen überdurchschnittlich ausfallen können – was zur annualisierten 30‑Tage-Volatilität von knapp 46 % passt.
Der kurzfristig relevante Bereich um 9,00 Euro fungiert als erste Unterstützung. Auf der Oberseite wäre ein stabiler Sprung über den Bereich um 9,50 Euro ein Signal, dass der Markt stärker auf einen erfolgreichen Abschluss der Restrukturierungsmaßnahmen setzt.
Fazit: Bilanzdruck trifft Standortpolitik
Die Lage bei Ams Osram bleibt von zwei gegenläufigen Kräften geprägt: Auf der einen Seite der klare Druck zur Bilanzsanierung mit einem möglichen 550‑Millionen-Euro-Deal und dem bereits vollzogenen Rückkauf von Wandelanleihen. Auf der anderen Seite der wachsende Widerstand von Gewerkschaften und Betriebsrat, die um rund 1.300 Jobs in Premstätten fürchten.
Kurzfristig dürfte die Aktie sensibel darauf reagieren, ob und zu welchen Bedingungen ein Verkauf an Infineon gelingt. Ein erfolgreicher Abschluss mit tragfähigen Standortzusagen könnte die jüngste Kurserholung untermauern. Kommt es hingegen zu Verzögerungen oder einem Scheitern der Gespräche, ist ein erneuter Test der Zone um 9 Euro und darunter nicht ausgeschlossen.
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