Die Aktie von Ams Osram gibt Boden ab. Am heutigen Dienstag verliert das Papier 4,1 Prozent auf 19,85 Euro, nachdem es bereits am Montag mit 20,70 Euro schwächer geschlossen hatte. Damit hat sich der kräftige Kurssprung, den die Quartalszahlen vor zwei Wochen ausgelöst hatten, inzwischen deutlich zurückgebildet.
Ams Osram hatte am 4. August Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt. Der Umsatz stieg um 4 Prozent auf 805 Millionen Euro, nach 775 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Getragen wurde das Wachstum von den Bereichen Automotive, Industrie-Halbleiter und Autolampen.
Das Automotive-Geschäft ohne die abgestoßenen Randbereiche legte sogar um 14 Prozent zu. Die operative Profitabilität litt jedoch: Das bereinigte EBITDA sank auf 136 Millionen Euro von 145 Millionen Euro im Vorjahr, die Marge rutschte von 18,8 auf 16,9 Prozent.
Cashflow als Belastungsfaktor
Deutlich schwerer wog für viele Beobachter der freie Cashflow. Er brach auf minus 119 Millionen Euro ein, nach minus 14 Millionen Euro im Vorjahresquartal und noch plus 37 Millionen Euro im ersten Quartal 2026. Die Analysten von ZKB und Vontobel äußerten sich am 4. August enttäuscht über diesen Rückgang, der deutlich schwächer ausgefallen sei als erwartet.
Auf der anderen Seite lobten mehrere Häuser am selben Tag das Kerngeschäft. Die Analysten von Jefferies bezeichneten Ams Osram als die günstigste Aktie im globalen Halbleitersektor und sahen erhebliches Kurspotenzial, insbesondere durch die Fortschritte im Bereich Digital Photonics.
Dort erreichte das Unternehmen laut eigenen Angaben Meilensteine bei microLED-Array-Lichtquellen für die nächste Generation von AR-Smartbrillen. Auch die Analysten von ZKB sprachen von einem sehr positiven Kerngeschäft mit 13 Prozent Wachstum. Diese Einschätzungen datieren jedoch bereits auf den Tag der Zahlenvorlage und spiegeln die Stimmung vor gut zwei Wochen wider.
Guidance bestätigt, Anleihen-Rückkauf geplant
Für das laufende Jahr bestätigte Ams Osram die Jahresprognose im Wesentlichen, rechnet allerdings wegen Devestitionen und eines schwächeren US-Dollars mit einem leichten Umsatzrückgang. Für das dritte Quartal 2026 erwartet der Konzern einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro.
Zudem kündigte das Unternehmen eine öffentliche Tender Offer im Umfang von 120 bis 150 Millionen Euro an, mit der ein Teil der 2027er Wandelanleihen und der 2029er Senior Notes zurückgekauft werden soll. Der Rückkauf soll innerhalb von 120 Tagen nach Abschluss des Infineon-Verkaufs erfolgen, der am 1. Juli 2026 vollzogen wurde.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt Ams Osram vergangene Woche durch zwei Patentverletzungsklagen in Deutschland gegen den Elektronik-Distributor Refond Optoelectronics wegen des Verkaufs von Automotive-LED-Produkten.
Kursbild bleibt angespannt
Trotz des jüngsten Rücksetzers notiert die Aktie noch immer 136 Prozent über dem Stand zum Jahresbeginn und liegt 169 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 7,38 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro klafft dagegen eine Lücke von 26 Prozent.
Ein konkreter Auslöser für den heutigen Kursrutsch ist nicht erkennbar – weder unternehmensspezifische Nachrichten noch Sektor-Ereignisse liefern eine Erklärung. Die hohe annualisierte Volatilität von 86 Prozent zeigt, wie nervös der Handel mit dem Papier derzeit verläuft: Anleger wägen den langfristig positiven Wachstumsausblick im Photonics-Geschäft gegen die kurzfristige Cashflow-Schwäche ab.
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