Am Montag rutschte der Titel in Zürich auf 15,05 Franken, nachdem er zwischenzeitlich sogar bis auf 14,55 Franken gefallen war – der tiefste Stand seit Mai. Vor zwei Monaten hatte das Papier noch bei 23 Franken notiert. Bereits am Freitag zuvor war die Aktie um rund 17 Prozent eingebrochen.
Auch an der Frankfurter Börse zeigt sich das Bild deutlich: Der Kurs liegt aktuell bei 16,50 Euro und verliert im laufenden Handel 2,37 Prozent. Zum Wochenschluss war das Papier noch mit 16,90 Euro aus dem Handel gegangen. Damit hat sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro, erreicht Ende Mai 2026, auf 38,20 Prozent ausgeweitet.
Kein Einzelfall: Halbleiterwerte weltweit unter Druck
Der Ausverkauf bei Ams Osram steht nicht isoliert. Über das Wochenende gerieten Chipwerte in Asien massiv unter Druck: Der südkoreanische Kospi, in dem Schwergewichte wie SK Hynix und Samsung Electronics den Ton angeben, rutschte am Montag um 4,5 Prozent ab und war bereits in der Vorwoche um 9 Prozent gefallen – der Index gilt damit als in einen Bärenmarkt eingetreten. Der Philadelphia Semiconductor Index hat seit seinem Juni-Hoch mehr als ein Fünftel eingebüßt.
Auslöser der Nervosität ist unter anderem die Ankündigung des chinesischen KI-Modells Kimi K3 von Moonshot AI, das mit 2,8 Billionen Parametern aufwarten und Ende Juli veröffentlicht werden soll. Analysten von SemiAnalysis ordnen die Marktreaktion allerdings differenziert ein: Die neue Architektur senke zwar den Bandbreitenbedarf pro Anfrage, erfordere aber durch ihre breitere Expertenstruktur insgesamt mehr Grafikchips, Speicher und Netzwerktechnik – nicht weniger, wie die anfängliche Sorge unterstellte.
Parallel dazu wachsen die Zweifel an der Finanzierung der milliardenschweren KI-Investitionen der großen US-Techkonzerne. Amazon, Microsoft, Meta, Alphabet und Oracle nehmen laut einer Einschätzung der NZZ im laufenden Jahr weltweit rund 300 Milliarden Dollar über Anleihen auf, um Rechenzentren zu finanzieren – nach etwa 200 Milliarden Dollar im Vorjahr. Eine Amazon-Anleihe über 25 Milliarden Dollar stieß Anfang Juli auf schwächere Nachfrage als erwartet, während Oracle von der Ratingagentur S&P auf BBB- herabgestuft wurde. Der Renditeaufschlag bei Technologie-Anleihen zog um 0,25 Prozentpunkte an – ein Signal, das die Investorenstimmung gegenüber dem gesamten KI-Ökosystem eintrübt und Zulieferer wie Ams Osram über die Sensorik- und Chipsparte indirekt mit belastet.
Technisches Bild spricht für Überverkauft-Situation
Aus charttechnischer Sicht notiert die Aktie mit einem RSI von 37,4 nahe der Marke, ab der Titel gemeinhin als überverkauft gelten. Gleichzeitig bleibt der Titel seit Jahresbeginn mit einem Plus von rund 96 Prozent weit im positiven Bereich – ein Hinweis darauf, wie stark die Kursrally im ersten Halbjahr ausgefallen war, bevor der jüngste Rücksetzer einsetzte.
Immerhin gibt es auch stabilisierende Signale aus China, wo der jüngste Ausverkauf am Technologiemart STAR Market seit Anfang Juli rund ein Viertel des Marktwerts vernichtet hat. Die chinesische Wertpapieraufsicht CSRC lud für Montag zu einem Treffen mit Marktteilnehmern, um die Stabilität zu adressieren, während staatliche Investoren wie China Reform Holdings und China Chengtong laut Reuters bereits Milliarden Yuan in Aktienkäufe gesteckt haben. Ob solche Stützungsmaßnahmen auch die Stimmung gegenüber europäischen Halbleiterwerten wie Ams Osram beruhigen können, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.
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