Ams Osram zeigt im zweiten Quartal 2026 eine deutliche Zweiteilung: Während das Halbleiter-Kerngeschäft robust wächst und die Effizienzprogramme greifen, belasten hohe Investitionen und Einmaleffekte den Cashflow. Am heutigen Montag notiert die Aktie bei 19,75 Euro und verbucht damit ein Plus von 2,33 Prozent. Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 134,56 Prozent zulegen, was die Erholungserwartungen der Anleger unterstreicht.
Stabiles Kerngeschäft und Transformationsfortschritte
Das Unternehmen meldete am vergangenen Dienstag für das zweite Quartal einen Umsatz von 805 Millionen Euro. Besonders positiv entwickelte sich dabei das Kernhalbleitergeschäft, das auf vergleichbarer Basis ein Wachstum von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielte.
Die bereinigte EBITDA-Marge lag mit 16,9 Prozent am oberen Ende der eigenen Prognose, obwohl das bereinigte EBITDA im Vergleich zum Vorjahr von 145 Millionen auf 136 Millionen Euro sank. Unter dem Strich verzeichnete der Konzern jedoch einen Nettoverlust von 122 Millionen Euro.
Um die Profitabilität langfristig zu steigern, treibt das Management das Transformationsprogramm „Simplify“ voran. Bis zum Ende des zweiten Quartals wurden dadurch bereits Einsparungen von 10 Millionen Euro realisiert.
Ziel ist es, diese Summe bis zum Jahresende 2026 auf rund 30 Millionen Euro zu steigern, während für das Ende des Jahres 2028 jährliche Einsparungen von 200 Millionen Euro angestrebt werden. Parallel dazu richtet sich Ams Osram verstärkt auf Innovationsfelder wie microLED-Lichtquellen für AR-Brillen und photonische Lösungen für KI-Rechenzentren aus.
Schuldenabbau und strategische Desinvestitionen
Ein zentraler Baustein der Neuausrichtung ist die Portfoliobereinigung. Nachdem Anfang Juli der Verkauf des Geschäfts mit nicht-optischen Sensoren an Infineon abgeschlossen wurde, plant Ams Osram nun, die finanzielle Stabilität zu stärken.
Innerhalb von 120 Tagen nach diesem Verkaufsabschluss soll ein öffentliches Rückkaufangebot (Tender Offer) für Wandelanleihen mit Fälligkeit 2027 sowie vorrangige Anleihen für 2029 im Volumen von 120 bis 150 Millionen Euro erfolgen.
Zusätzlich steht die Veräußerung des CMOS-Bildsensor-Geschäfts an Indie Semiconductors bevor. Der im Mai unterzeichnete Kaufvertrag über 40 Millionen Euro — bestehend aus 35 Millionen Euro in bar und einer Kreditnote über 5 Millionen Euro — soll voraussichtlich noch im laufenden dritten Quartal abgeschlossen werden. Für diesen Zeitraum erwartet Ams Osram einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge von etwa 16 Prozent.
Analysten sehen Potenzial bei Licht und Schatten
Die Reaktionen der Experten fielen differenziert aus. Die Analysten von Jefferies bezeichneten die Aktie am vergangenen Dienstag als die günstigste im globalen Halbleitersektor und sehen erhebliches Kurspotenzial, insbesondere durch neue Lichttechnologien für Smartbrillen. Auch die UBS bewertete die Ergebnisse als solides Zahlenwerk und rechnet aufgrund der aktuellen Entwicklung mit steigenden Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr.
Kritik gab es hingegen an der Entwicklung der flüssigen Mittel. Medienberichten zufolge zeigten sich Marktbeobachter enttäuscht über den freien Cashflow, der sich im zweiten Quartal auf minus 119 Millionen Euro verschlechterte.
Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert noch bei minus 14 Millionen Euro. Trotz dieser kurzfristigen Belastung bleibt der Fokus auf der langfristigen Strategie für 2030, die einen freien Cashflow von über 200 Millionen Euro und eine deutliche Reduzierung der Verschuldung vorsieht.
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