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AMD vor Zahlen, Nvidia erhöht Preise: Chipmarkt in Bewegung

Nvidia plant weitere GPU-Preiserhöhungen, AMD legt Quartalszahlen vor und SK Hynix erhält Triple-Rating-Upgrade. Der Speichermarkt dominiert die Branche.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Nvidia bereitet dritte Preisrunde vor
  • SK Hynix erhält Triple-Rating-Upgrade
  • AMD präsentiert heute Quartalszahlen
  • Ams Osram verlängert CEO-Vertrag vorzeitig

Ausgerechnet an dem Tag, an dem AMD seine Quartalszahlen präsentiert, verdichten sich die Signale, dass Nvidia die Preisschraube erneut anzieht. Während der eine Grafikkartenhersteller mit Speicherknappheit ringt, sammelt SK Hynix gerade einen historischen Rating-Coup ein. Fünf Halbleiterwerte, fünf völlig unterschiedliche Geschichten – und ein gemeinsamer Nenner: der Speichermarkt bestimmt gerade, wer gewinnt und wer zahlt.

Nvidia: Speicherknappheit zwingt zu neuen Preiserhöhungen

Nvidia soll offenbar eine weitere Runde deutlicher GPU-Preiserhöhungen vorbereiten – Berichten zufolge um bis zu 30 Prozent. Der Grund: Samsung hat als zentraler Speicherlieferant die DRAM-Preise kräftig angehoben, und Nvidia muss diese Kosten irgendwohin weiterreichen. Anders als frühere Anhebungen, die vor allem High-End-Modelle betrafen, soll diesmal die komplette Blackwell-Reihe erfasst werden. Es wäre bereits die dritte deutliche Preisrunde seit Jahresbeginn.

Die Aktie selbst zeigte sich zuletzt robust. Der Titel schloss am Montag bei 179,48 Euro, ein Plus von 3,08 Prozent, und nähert sich damit wieder seinem 50-Tage-Durchschnitt. Vom 52-Wochen-Hoch trennen Nvidia derzeit noch gut 11 Prozent, während seit Jahresbeginn ein zweistelliges Plus steht.

Fundamental liefert das Unternehmen weiter ab. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldete Nvidia einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und übertraf damit die Analystenschätzungen deutlich. Für das laufende zweite Quartal, dessen Zahlen am 26. August erwartet werden, hat der Konzern selbst die Latte hochgelegt und rechnet mit 91 Milliarden US-Dollar Umsatz – deutlich über dem Analystenkonsens. Die Wall Street bleibt entsprechend zuversichtlich und bewertet die Aktie mehrheitlich mit „Strong Buy“.

Der Micron-Chef hatte kürzlich gewarnt, die RAM-Knappheit könne bis 2027 anhalten und erst 2028 abklingen. Für Nvidia bedeutet das: Der Preisdruck auf der Kostenseite dürfte noch lange ein Thema bleiben, selbst wenn steigende Endkundenpreise die eigenen Margen zunächst stabilisieren.

SK Hynix: Dreifach-Upgrade trifft auf einen müden Heimatmarkt

Selten schafft es ein Unternehmen, innerhalb eines Jahres von allen drei großen Ratingagenturen hochgestuft zu werden. SK Hynix hat genau das erreicht. Moody’s stufte den Speicherhersteller zuletzt von Baa1 auf A3 hoch und verwies auf robuste Profitabilität und Cashflow-Generierung über die kommenden 12 bis 18 Monate. S&P und Fitch waren mit eigenen Anhebungen bereits vorausgegangen.

Die Marktreaktion fiel trotzdem verhalten aus. Die Aktie notierte zuletzt bei 1.513.000 Won und verlor allein am Handelstag 3,45 Prozent, nachdem koreanische Anleger nach den heftigen Marktschwankungen im Juli weiterhin vorsichtig agierten. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von mehr als 35 Prozent – ein deutlicher Kontrast zum Plus von über 130 Prozent seit Jahresbeginn. Der Kospi schwankte zwischen kräftigen Gewinnen und Verlusten, während Samsung Electronics und SK Hynix der US-Chiprally nicht folgten.

Die Fundamentaldaten rechtfertigen aus Analystensicht eigentlich mehr Zuversicht. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 257 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben von HBM-, DRAM- und NAND-Nachfrage, während die operativen Margen ein Allzeithoch erreichten. Der Konzern kündigte zudem eine Erhöhung der Investitionsausgaben um mindestens 50 Prozent an – ein klares Signal, dass das Management an die KI-getriebene Nachfrage glaubt. Bei einem geschätzten Terminkurs-Gewinn-Verhältnis von rund dem 3,6-Fachen bleibt die Bewertung für viele Analysten trotz der jüngsten Kursschwäche attraktiv.

AMD: Bilanztag mit Signalwirkung für den ganzen Sektor

Heute nach US-Börsenschluss legt AMD seine Zahlen zum zweiten Quartal vor – der wohl wichtigste Termin der Woche für den gesamten Sektor. Analysten erwarten einen Umsatz von 11,3 Milliarden US-Dollar und einen bereinigten Gewinn von 1,61 US-Dollar pro Aktie. AMD selbst hatte eine Umsatzprognose von 11,2 Milliarden US-Dollar abgegeben, was im Mittelwert einem Wachstum von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche.

Die Aktie schloss am Montag bei 420,35 Euro und hat sich seit ihrem Jahreshoch bereits deutlich abgekühlt, notiert aber seit Jahresbeginn noch immer rund 128 Prozent im Plus. Auf Wochensicht zeigt sich mit einem Plus von über 5 Prozent bereits eine gewisse Vorfreude auf den Bericht.

Im Fokus stehen die MI350-Lieferungen, erste quantifizierbare Bestellungen für die neuen Helios-Rack-Scale-Systeme und die Entwicklung im margenstarken EPYC-Server-Geschäft. Ein starkes Datacenter-Signal gilt als entscheidend dafür, ob die Aktie ihre jüngste Konsolidierung überwinden kann. Über das reine Zahlenwerk hinaus hat AMD sein Narrativ zusätzlich erweitert: Eine neue Partnerschaft mit IBM zielt auf quantenzentrierte Supercomputing-Architekturen ab, die Quantencomputer mit klassischer HPC-Technologie verbinden sollen. Parallel dazu zog AMD bei den Grafikkarten-Kit-Preisen mit einer Erhöhung von rund 10 Prozent vor – noch bevor Nvidia mit eigenen Preisschritten nachzog.

Marvell Technology: Insider verkaufen, Analysten bleiben optimistisch

Marvell hat sich von seinen früheren Höchstständen deutlich entfernt. Am Montag gab die Aktie um 3,38 Prozent nach – nach einem bereits schwachen Vormonat, in dem sie fast 23 Prozent verlor. Der Schlusskurs lag bei 168,28 Euro, während auf Wochensicht mit fast 10 Prozent Plus bereits eine erste Gegenbewegung sichtbar wurde.

Belastend wirken vor allem anhaltende Insider-Verkäufe. Mehrere Führungskräfte, darunter der Chief Legal Officer und der CFO, haben zuletzt Aktienpakete abgestoßen. Über die vergangenen zwölf Monate verkauften Unternehmensinsider deutlich mehr Aktien, als sie kauften. Diese Signale kontrastieren mit einer optimistischen Analystenhaltung: Die Aktie trägt weiterhin ein Konsens-Kaufrating, und mehrere Häuser haben ihre Kursziele zuletzt sogar angehoben.

Operativ bleibt Marvell im Zentrum des KI-Infrastrukturausbaus positioniert. Das Unternehmen präsentiert diese Woche auf einer Fachmesse in Santa Clara sein KI-Speicher- und Storage-Portfolio, darunter neue PCIe-6.0-Controller und Photonic-Fabric-Technologie für optische Verbindungen. Der nächste Ergebnisbericht wird für Ende August erwartet, wobei die Wall Street ein deutliches Gewinnwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal einpreist.

Ams Osram: Führungskontinuität als Stabilitätssignal

Während andere Chipwerte von Preisrunden und Ergebnisterminen getrieben werden, setzt Ams Osram auf ein anderes Signal: personelle Kontinuität. Der Aufsichtsrat hat den Vertrag von CEO Aldo Kamper vorzeitig bis September 2031 verlängert – deutlich vor Ablauf seiner ursprünglichen Amtszeit. Aufsichtsratschefin Margarete Haase begründete den Schritt mit der erfolgreichen strategischen Neuausrichtung des Konzerns unter Kampers Führung seit April 2023.

Die Aktie honorierte die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen mit spürbarem Rückenwind: Am Montag stieg der Kurs um 3,18 Prozent auf 17,85 Euro, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 112 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch trennen den Titel derzeit noch rund ein Drittel.

Untermauert wird die Zuversicht durch eine sichtbare Portfoliobereinigung. Der Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon für 570 Millionen Euro in bar wurde zum 1. Juli abgeschlossen und schärft den Fokus auf digitale Photonik. Im ersten Quartal 2026 meldete Ams Osram einen Umsatz von 796 Millionen Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,5 Prozent. Auch auf der Finanzseite setzt der Aufsichtsrat auf Kontinuität: CFO Rainer Irle bleibt bis Oktober 2030 an Bord.

Speicherknappheit als roter Faden durch den Sektor

Was diese fünf Werte in dieser Woche verbindet, ist der überproportionale Einfluss des Speichermarktes auf den gesamten Chip-Sektor. Steigende DRAM- und HBM-Preise füllen die Kassen von Speicherlieferanten, während sie GPU-Herstellern die Margen aufzehren – solange diese die Kosten nicht vollständig weitergeben können.

Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:

  • Preisdruck: Samsungs DRAM-Preiserhöhung zwingt Nvidia zu einer möglichen dritten GPU-Preisrunde seit Jahresbeginn
  • Bonität: SK Hynix erreicht als eines von wenigen Unternehmen ein komplettes Rating-Upgrade bei allen drei großen Agenturen binnen eines Jahres
  • Ergebnissaison: AMD legt heute Zahlen vor, Nvidia folgt am 26. August, Marvell am 27. August
  • Governance: Ams Osram setzt mit der frühzeitigen Vertragsverlängerung für Kamper und Irle ein Stabilitätssignal
  • Insider-Aktivität: Verkäufe bei Marvell-Führungskräften stehen im Kontrast zu weiterhin bullischen Analystenzielen

Marvells Connectivity- und Custom-Silicon-Geschäft sitzt dabei genau an der Schnittstelle dieser Trends – es profitiert vom KI-Infrastrukturausbau, steht aber gleichzeitig unter Bewertungsdruck. Ams Osram wiederum bewegt sich mit optischer Sensorik und Photonik in einem völlig anderen Marktsegment, fernab von Compute und Speicher. Gerade das macht die Führungsstabilität dort bemerkenswert: Auch nicht-KI-zentrierte Chipwerte suchen offenbar nach Ankern in einem Sektor, der sonst von schnellen Preisverschiebungen getrieben wird.

Chipmarkt zwischen Preismacht und Geduldsprobe

Die kommenden Stunden werden zeigen, ob AMD das Datacenter-Momentum in eine Prognoseanhebung übersetzen kann, die dem gesamten Sektor Rückenwind gibt. Nvidias eigener Bericht Ende August dürfte dann klären, wie stark die Speicherknappheit tatsächlich auf die Margen drückt – und ob die angekündigten Preiserhöhungen bei Kunden überhaupt durchsetzbar sind. SK Hynix hat mit dem dreifachen Rating-Upgrade seine langfristige Finanzierungsposition zementiert, muss aber offenbar erst noch die Nervosität der heimischen Anleger überwinden, bevor sich das in höheren Kursen niederschlägt.

Marvell bleibt zwischen Insider-Verkäufen und Analystenoptimismus ein Fall für genauere Beobachtung, während Ams Osram mit seiner personellen Kontinuität zeigt, dass nicht jeder Halbleiterwert im Rhythmus von Quartalszahlen und Preisrunden getaktet ist. Für Anleger heißt das: Der Speichermarkt bleibt der Taktgeber – wer ihn beherrscht, gewinnt, wer von ihm abhängt, zahlt drauf.

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Diskussion zu Nvidia

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.