Raymond James hat AMD am Dienstag auf „Strong Buy“ hochgestuft und das Kursziel von 565 auf 641 Dollar angehoben. Analyst Simon Leopold begründet den Schritt mit dem erwarteten Boom bei Server-CPUs für agentische KI-Workloads: Der Markt soll bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 44 Prozent auf rund 201 Milliarden Dollar zulegen, davon rund 85 Milliarden Dollar allein durch KI-Agenten-Anwendungen. Leopold sieht in AMD die „stärkste Kombination aus Ertragshebel, Rechenzentrumsposition und Marktanteilsgewinnen“ der Branche.
Die Aktie reagierte deutlich: Der Kurs schloss gestern mit einem Plus von 4,7 Prozent bei 410,50 Euro. Über sieben Handelstage steht ein Zuwachs von 2,7 Prozent zu Buche, was die zwischenzeitliche Schwäche der vergangenen dreißig Tage – minus 5,5 Prozent – zumindest teilweise ausgleicht.
Marktanteile untermauern die These
Das Upgrade fällt in eine Phase, in der AMD auch operativ Boden gutmacht. Laut Mercury Research ist der x86-CPU-Marktanteil von Intel im zweiten Quartal 2026 erstmals seit 1995 unter 70 Prozent gefallen. AMD erreicht im Gegenzug einen Server-CPU-Marktanteil von 46,4 Prozent und verzeichnet im PC-Markt mit 30,3 Prozent einen Rekordwert.
Im Desktop-Segment kommt AMD auf 34,9 Prozent, bei Laptops auf 28,9 Prozent. Diese Zahlen liefern die operative Basis für Leopolds These, dass AMD strukturell Marktanteile von Intel gewinnt – nicht nur im Rechenzentrum, sondern über das gesamte Produktportfolio hinweg.
Im Rechenzentrumsgeschäft selbst zeigt sich die Dynamik bereits in den jüngsten Quartalszahlen: Der Umsatz in diesem Segment hat sich mehr als verdoppelt und macht inzwischen 58 Prozent des Konzernumsatzes aus. Das Management hatte zuletzt eine weitere Verdopplung des Rechenzentrums-Umsatzes für 2027 in Aussicht gestellt.
Insiderverkäufe unter geplanten Handelsprogrammen
Parallel zum positiven Analystenvotum melden SEC-Unterlagen Insiderverkäufe bei AMD. Ein AMD-Direktor plant den Verkauf von 135.000 Aktien im Gegenwert von rund 64,1 Millionen Dollar über Morgan Stanley Smith Barney, abgewickelt aus zwischen 2015 und 2017 zugeteilten Restricted Shares. Insgesamt summierten sich Insiderverkäufe binnen drei Monaten auf rund 103 Millionen Dollar.
Solche Transaktionen laufen bei AMD-Führungskräften überwiegend über vorab festgelegte Rule-10b5-1-Handelspläne, die bereits Monate zuvor aufgesetzt wurden – es handelt sich damit um routinemäßige, im Voraus geplante Diversifizierungsverkäufe und nicht um kurzfristige, diskretionäre Entscheidungen.
Bewertung bleibt Diskussionspunkt
Nicht alle Analysten teilen die Euphorie uneingeschränkt. Seeking Alpha bestätigte am Dienstag ein „Hold“-Rating und verweist auf Risiken durch eine mögliche Nvidia-Partnerschaft mit SPCX, schwache PC-Nachfrage sowie Verwässerungseffekte durch Warrants zugunsten von OpenAI und Meta, die bis zu 19,2 Prozent des Streubesitzes ausmachen könnten.
BMO-Analyst Harsh Kumar bleibt dagegen bei „Outperform“ mit einem Kursziel von 550 Dollar und verweist auf ein Umsatzplus von 50 Prozent im zweiten Quartal 2026 sowie einen mehr als verdoppelten Rechenzentrumsumsatz von 6,7 Milliarden Dollar.
Mit einem RSI von 46,8 und einem Abstand von 20 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 511,70 Euro bewegt sich die Aktie derzeit in einer neutralen Zone – die fundamentale Debatte zwischen Marktanteilsgewinnen und Bewertungsniveau dürfte damit die kommenden Wochen bestimmen.
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