Seit dem Quartalsbericht ist die AMD-Aktie um rund 5,2 Prozent gefallen und hinkt damit dem S&P 500 hinterher. Wer nur auf den Kurs schaut, könnte meinen, bei AMD laufe etwas grundlegend schief. Wer die Zahlen liest, kommt zu einem anderen Schluss: Hier klafft eine Lücke zwischen Fundamentaldaten und Marktstimmung, die sich meiner Einschätzung nach nicht dauerhaft halten lässt.
Die nackten Fakten sprechen zunächst für sich. Im zweiten Quartal 2026 verdiente AMD 1,66 Dollar je Aktie non-GAAP, ein Plus von 246 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz kletterte um 50,1 Prozent auf 11,54 Milliarden Dollar.
Das Rechenzentrumsgeschäft, mittlerweile 58 Prozent des Konzernumsatzes, wuchs um 107,3 Prozent auf 6,72 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellt AMD rund 13 Milliarden Dollar in Aussicht, ein Wachstum von etwa 41 Prozent. Das sind keine Zahlen, die zu einem Kursrückgang seit dem Bericht passen.
Die Nvidia-Schatten-Debatte
Ein Teil der Nervosität lässt sich mit dem Vergleich zu Nvidia erklären. Der Platzhirsch meldete für dasselbe Quartal einen Umsatz von 96,22 Milliarden Dollar, davon 89,02 Milliarden aus dem Rechenzentrumsgeschäft, bei einer Bruttomarge von 75 Prozent gegenüber AMDs 56 Prozent.
Diese Differenz ist real, und sie erklärt, warum institutionelle Anleger AMD nach wie vor als Nummer zwei einstufen. Doch der reine Größenvergleich verschleiert die eigentliche Dynamik: AMD wächst aus einer viel kleineren Basis heraus mit einer Geschwindigkeit, die für sich genommen beeindruckend ist.
Die Aktie legte seit Jahresbeginn um 113 Prozent zu, Nvidia im Vergleichszeitraum um 20,47 Prozent. Der Markt preist also längst nicht nur Nvidias Dominanz, sondern auch AMDs Aufholjagd ein – nur eben mit sichtbarer Skepsis in den letzten Wochen.
Bewertungstechnisch gehen die Meinungen deutlich auseinander, und genau das macht den Fall spannend. Eine Analyse sieht die Aktie auf Basis des GF Value als 65,2 Prozent überbewertet, mit einem KGV von 117,6x gegenüber einem Fünfjahresmedian von rund 102x.
Eine andere kommt über ein DCF-Modell auf einen fairen Wert von 600 Dollar je Aktie und hält das Papier für rund 24 Prozent unterbewertet, gestützt auch auf die AI-Infrastrukturkooperation mit Cisco und HUMAIN in Saudi-Arabien.
Investor Louis Gerard stuft AMD gegenüber Oracle klar als Kaufkandidaten ein und verweist auf den operativen Rechenzentrumsgewinn von 2,1 Milliarden Dollar sowie die laufende Produktion des Helios-Systems.
Insider-Verkäufe als Warnsignal?
Nicht ignorieren sollte man, dass in den vergangenen zwölf Monaten Insider-Verkäufe von 322,2 Millionen Dollar registriert wurden, ohne nennenswerte Gegenkäufe. Das ist ein Signal, das ich nicht kleinreden möchte – es passt zu einer Aktie, die technisch angeschlagen wirkt.
Der aktuelle Kurs von 392,30 Euro liegt rund 23 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 511,70 Euro und knapp 9,8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Ein RSI von 42 signalisiert keine Überverkauftheit, aber auch keine Euphorie mehr – der Markt hat die Luft aus der Bewertung gelassen, ohne die operative Story infrage zu stellen.
Auf der Produktseite liefert AMD unterdessen weiter ab: Die Ryzen-AI-Max+-PRO-400-Serie mit bis zu 192 GB Speicherunterstützung, die PACE-Plattform mit LangGraph-Integration auf EPYC-9755-Basis, und der Auftritt zur Eröffnung der IFA 2026 in Berlin zeigen, dass AMD an mehreren Fronten gleichzeitig Präsenz zeigt – vom Rechenzentrum bis zum Consumer-Segment.
Fazit
Für mich überwiegen unterm Strich die Argumente für eine Übertreibung nach unten. Die operativen Kennzahlen – Umsatzwachstum, Data-Center-Dynamik, Q3-Guidance – tragen den aktuellen Kursrückgang nicht. Die Bewertungsdebatte bleibt berechtigt, gerade angesichts des hohen KGVs und der Insider-Verkäufe.
Doch wer AMD ausschließlich über den Nvidia-Vergleich definiert, übersieht, dass hier ein Unternehmen mit eigener, belastbarer Wachstumsgeschichte unterwegs ist. Die Skepsis der vergangenen Wochen spricht eher für eine Verschnaufpause als für eine fundamentale Kurswende.
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