In Peking lotet AMD-Chefin Lisa Su aktuell die Grenzen der Geopolitik neu aus. Ein Treffen mit dem chinesischen Vizepremier He Lifeng am Montag signalisiert Entspannung im globalen Chip-Handel. Nach einem jüngsten Gipfel zwischen den USA und China suchen beide Seiten wieder nach wirtschaftlicher Stabilität. Vizepremier He sprach von einer beiderseitig vorteilhaften Kooperation und lud den US-Konzern ein, neue Chancen im Land zu nutzen.
An der Börse legen Anleger nach einer rasanten Rally eine kurze Pause ein. Die AMD-Aktie notiert aktuell bei knapp 358 Euro und gibt heute rund zwei Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht allerdings weiterhin ein massives Plus von 88 Prozent auf der Anzeigetafel.
Neue Dimensionen im CPU-Markt
Parallel zu den diplomatischen Fortschritten liefert die Investmentbank Citi frische Argumente für Optimisten. Analyst Atif Malik hob das Kursziel massiv auf 460 US-Dollar an. Er begründet diesen Schritt mit einer drastischen Neubewertung des adressierbaren Marktes für Prozessoren.
Bis 2030 soll das globale CPU-Volumen auf über 131 Milliarden US-Dollar anwachsen. Besonders sogenannte „Agentic CPUs“ treiben diese Entwicklung an. Für diese spezialisierte Kategorie prognostiziert Citi ein jährliches Wachstum von 185 Prozent. AMD trauen die Experten zu, am Ende des Jahrzehnts gut ein Drittel des Gesamtmarktes zu beherrschen.
Finanzielle Schlagkraft wächst
Um dieses Wachstum zu stemmen, hat der Konzern seine Bilanzstruktur gestärkt. Eine neue unbesicherte Kreditlinie über fünf Milliarden US-Dollar löst eine ältere Vereinbarung ab. Obendrein verdoppelte das Management den Rahmen für kurzfristige Unternehmensanleihen. Institutionelle Investoren positionieren sich bereits für die nächste Phase, wie jüngste Käufe durch Spear Advisors zeigen.
Die operative Basis dafür lieferte das erste Quartal mit einem Umsatz von 10,3 Milliarden US-Dollar. Haupttreiber war das Rechenzentrumsgeschäft, das um 57 Prozent zulegte. Auf der Hauptversammlung winkten die Aktionäre derweil eine Aufstockung des Aktienvergütungsprogramms um 65 Millionen Papiere durch.
Mit einer prall gefüllten Kasse und ehrgeizigen Marktanteilszielen rüstet sich AMD für die nächste Phase im KI-Rennen. Die diplomatischen Annäherungen in Peking bilden dafür das Fundament. Baut Lisa Su die Kooperationen in China erfolgreich aus, sichert sich der Konzern den ungestörten Zugang zu einem der wichtigsten Absatzmärkte für die massiv steigende CPU-Nachfrage.
