Amazon greift auf zwei Fronten an. Der Konzern investiert Milliarden in künstliche Intelligenz und öffnet sein Logistiknetzwerk für externe Händler. Die Börse honoriert das. Die Aktie erreichte am Montag ein neues Allzeithoch.
Starke Quartalszahlen treiben den Kurs
Der Haupttreiber für die Kursrally ist das abgelaufene erste Quartal. Amazon steigerte den Umsatz um 17 Prozent auf rund 181,5 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten deutlich.
Noch stärker entwickelte sich der Gewinn. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,78 US-Dollar. Experten hatten im Vorfeld mit maximal 1,73 US-Dollar gerechnet. Eine operative Rekordmarge stützte dieses Ergebnis.
Parallel dazu wächst das wichtige Cloud-Geschäft rasant. Amazon Web Services (AWS) verbuchte einen Umsatzsprung auf 37,6 Milliarden US-Dollar. Das ist das schnellste Wachstum seit fast vier Jahren.
Milliarden für KI-Infrastruktur
Das Management investiert massiv in künstliche Intelligenz. Die Investitionsausgaben kletterten im ersten Quartal auf 44,2 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr plant Amazon rund 200 Milliarden US-Dollar ein.
Das Geld fließt vor allem in KI-Chips und neue Rechenzentren. Eigene Chips bringen bereits einen hochgerechneten Jahresumsatz von 20 Milliarden US-Dollar ein.
Analysten reagieren euphorisch auf diese Strategie. New Street Research hob das Kursziel auf 350 US-Dollar an. Jefferies und die DZ Bank sehen den fairen Wert nun bei 320 US-Dollar.
Angriff auf die Logistikbranche
Währenddessen startete am Montag der neue Dienst „Amazon Supply Chain Services“. Amazon öffnet seine weltweite Flotte aus Flugzeugen und Lkw für externe Firmen. Unternehmen müssen dafür nicht auf dem Amazon-Marktplatz verkaufen.
Großkonzerne wie Procter & Gamble nutzen den Service bereits. Dieser Schritt setzt klassische Logistiker unter Druck. Amazon monetarisiert seine physische Infrastruktur nun ähnlich wie zuvor die Serverfarmen.
Die Folge: ein Kurssprung. Die Amazon-Aktie schloss am Montag bei 232,70 Euro auf einem neuen Allzeithoch. Seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von gut 20 Prozent auf der Anzeigetafel.
Trotz der Euphorie gibt es finanzielle Spannungsfelder. Die hohen Investitionen drückten den freien Cashflow im Quartal auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Indes stiegen die langfristigen Schulden auf rund 119 Milliarden US-Dollar. Solange das margenstarke Cloud-Geschäft weiter wächst, ignorieren Investoren diese Lasten.
