Amazon bricht gleich an zwei Fronten mit langjährigen Traditionen. Der E-Commerce-Riese verlegt sein wichtigstes Shopping-Event überraschend in den Juni und zieht sich gleichzeitig aus einer führenden Drohnen-Allianz zurück. Diese Entscheidungen fallen in eine Phase gigantischer Investitionen, die an der Börse derzeit für Zurückhaltung sorgen.
Prime Day wandert in den Juni
Seit fast einem Jahrzehnt ist der Juli fest für den Prime Day reserviert. Nun zieht Amazon das Event laut Insidern vor. Diese terminliche Verschiebung hat direkte Auswirkungen auf die Bilanzierung, da die massiven Umsätze nun dem zweiten statt dem dritten Quartal zugerechnet werden. Im vergangenen Jahr generierte das auf vier Tage verlängerte Event branchenweit 24,1 Milliarden US-Dollar.
Die Konkurrenz gerät durch den neuen Zeitplan unter Zugzwang. Einzelhändler wie Walmart, die zuletzt stark im E-Commerce wuchsen und ihre schnellen Lieferoptionen massiv ausbauten, müssen ihre eigenen Rabattaktionen nun ebenfalls neu terminieren.
Sicherheit geht vor Branchenkonsens
Abseits des Kerngeschäfts sorgt die Logistiksparte Prime Air für Aufsehen. Amazon verlässt die Commercial Drone Alliance, da die Industriegruppe verpflichtende Kollisionswarnsysteme ablehnt. Für den Konzern ist das ein inakzeptables Risiko. Die hauseigene Technologie verhinderte bei über 70.000 Flügen bereits zwei potenziell katastrophale Zusammenstöße in der Luft.
Ein Rückzug aus dem Drohnengeschäft ist dieser Schritt jedoch nicht. Bis zum Ende des Jahrzehnts peilt CEO Andy Jassy jährlich 500 Millionen Drohnenlieferungen an. Die Technologie soll Amazon helfen, besonders im über 600 Milliarden US-Dollar schweren US-Apothekenmarkt durch extrem schnelle Lieferungen Marktanteile zu gewinnen.
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Milliarden-Investitionen drücken den Cashflow
Die strategischen Weichenstellungen begleiten eine Phase extremer Ausgaben. Für das Jahr 2026 plant Amazon Kapitalinvestitionen in Höhe von rund 200 Milliarden US-Dollar, primär für den Ausbau der Künstlichen Intelligenz. Diese aggressive Ausgabenpolitik hinterlässt Spuren in der Bilanz. Zwar kletterte der Jahresumsatz 2025 auf 716,9 Milliarden US-Dollar und die Cloud-Sparte AWS glänzte im vierten Quartal mit einem starken Wachstum von 24 Prozent. Gleichzeitig brach der freie Cashflow der letzten zwölf Monate von 38,2 auf 11,2 Milliarden US-Dollar ein.
Diese finanzielle Belastung spiegelt sich auch im Aktienkurs wider. Der Titel verzeichnet seit Jahresbeginn ein Minus von 5,61 Prozent und notiert aktuell bei 182,48 Euro.
Analysten werten die aktuelle Investitionsphase als Fundament für das nächste große Wachstumsfenster. Bis 2028 erwarten Marktexperten ein jährliches Umsatzwachstum von 12,2 Prozent, was die Gesamterlöse auf über eine Billion US-Dollar treiben würde. Die vorgezogenen Prime-Day-Umsätze werden sich bereits bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal konkret in den Büchern niederschlagen.
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