Amazon will offenbar ein Startup kaufen, an dem sich zuletzt Anthropic die Zähne ausbiss. Das KI-Unternehmen Decart steht Medienberichten zufolge im Zentrum von Übernahmegesprächen mit einem Volumen von rund sieben Milliarden Dollar. Bestätigt ist nichts: Weder Amazon noch Decart haben sich bislang geäußert.
Was Decart liefert
Decart entwickelt Software, die das Training und den Betrieb von KI-Modellen günstiger machen soll. Sie lastet Chips effizienter aus und erleichtert Entwicklern den Wechsel zwischen Prozessoren verschiedener Hersteller. Hinzu kommen Videomodelle: „Lucy“ bearbeitet Live-Videos in Echtzeit, „Oasis“ erzeugt simulierte Umgebungen, etwa zum Training von Robotern und autonomen Fahrsystemen. Gegründet wurde das Unternehmen 2023 von israelischen Ingenieuren.
Eine Vereinbarung könnte bald folgen, heißt es. Voraussetzung wäre, dass die Verhandlungen nicht scheitern und kein weiterer Interessent auftaucht.
Ein stolzer Preis
Im Mai war Decart nach einer Finanzierungsrunde über 300 Millionen Dollar mit knapp vier Milliarden Dollar bewertet worden. Auch Nvidia stieg damals als Investor ein. Sieben Milliarden wären rund drei Viertel mehr, und das innerhalb weniger Monate.
Anthropic hatte im August über eine Übernahme für etwa sechs Milliarden Dollar nachgedacht. Nach einer Buchprüfung sagte der KI-Entwickler im September ab. Das wirft die Frage auf, ob Amazon den Preis rechtfertigen kann, zumal der Konzern an Anthropic als Großinvestor beteiligt ist und dessen Prüfergebnis kennen dürfte.
Strategischer Hebel gegen Nvidia
Der Reiz liegt wohl bei den Chips. Amazon baut mit Trainium eigene KI-Prozessoren und konkurriert damit mit Nvidia. Software, die Rechenlast leichter auf Trainium verschiebt, könnte die Chips für Kunden attraktiver machen. Marktbeobachter sehen darin den eigentlichen Hebel des Deals.
Finanziell wäre die Summe verkraftbar. In den vergangenen zwölf Monaten investierte Amazon 173 Milliarden Dollar, der Kaufpreis entspräche rund vier Prozent davon. Der Free Cash Flow lag wegen der Rechenzentren zuletzt allerdings bei minus 11,63 Milliarden Dollar. Nach Whole Foods und MGM wäre es der drittgrößte Zukauf der Firmengeschichte.
An der Börse blieb die Reaktion verhalten. Im vorbörslichen US-Handel pendelte die Aktie um 262 Dollar, mal leicht im Plus, mal leicht im Minus. Der Markt wartet offenbar auf eine offizielle Bestätigung, bevor er den Deal einpreist.
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