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Amazon Aktie: Prime-Day-Verschiebung verzerrt alles?

Gebuchte Cloud-Kapazitäten stützen Amazons Ausbau, während Anleger auf AWS-Marge, Investitionsrendite und den Ausblick achten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • AWS-Kapazitäten für 2026 vollständig vergeben
  • Analysten erwarten 45,4 Milliarden Dollar AWS-Umsatz
  • Amazon plant 220 Milliarden Dollar Investitionen
  • UBS hebt Kursziel auf 348 Dollar

Amazon muss heute nach US-Börsenschluss zeigen, wie sich die starke Nachfrage nach Cloud-Kapazität in Wachstum und Gewinn übersetzt. Bei den Zahlen zum dritten Quartal 2026 steht deshalb AWS im Mittelpunkt. Die weitgehend gebuchten Kapazitäten geben dem Ausbau Rückhalt. Für Anleger zählt aber auch, welche Profitabilität Amazon damit erreicht und welchen Ausblick das Management gibt.

Hohe Auslastung trifft hohe Erwartungen

Konzernchef Andy Jassy zufolge ist die AWS-Kapazität für 2026 ausverkauft. Für das Folgejahr sei sie weitgehend vergeben und ein erheblicher Teil der Kapazität für 2028 bereits gebunden. Damit reicht die Nachfrage weit über das unmittelbar anstehende Quartal hinaus.

Diese Auslastung ist ein Argument für weitere Investitionen. Sie beantwortet allerdings noch nicht die Frage, wie schnell Amazon zusätzliche Kapazitäten bereitstellen und daraus Erlöse erzielen kann. Im Ergebnisgespräch dürften deshalb neben neuen Aufträgen vor allem der Ausbau und dessen wirtschaftlicher Ertrag interessieren.

Für das dritte Quartal rechnen Analysten bei AWS mit einem Umsatz von 45,4 Milliarden Dollar und einem Wachstum von 37,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ende des zweiten Quartals lag der Auftragsbestand bei 496 Milliarden Dollar.

Die hohe Messlatte betrifft nicht nur das Wachstum. AWS trägt einen erheblichen Teil zum operativen Konzernergebnis bei. Entsprechend wichtig ist, ob die Sparte ihre Profitabilität trotz des raschen Ausbaus halten kann.

Bank of America erwartet eine AWS-Betriebsmarge von 39 Prozent. Die Marktschätzung liegt bei 34,7 Prozent. Beim Umsatzwachstum der Sparte rechnet das Analysehaus mit 40 Prozent und liegt damit ebenfalls über den allgemeinen Erwartungen.

Der Konzernumsatz braucht Einordnung

Beim Gesamtumsatz erwarten Analysten rund 202 Milliarden Dollar. Amazons eigene Prognose für das dritte Quartal reicht von 197 bis 202 Milliarden Dollar. Die Erwartungen liegen damit am oberen Ende der Unternehmensspanne.

Ein schwächeres Wachstum gegenüber dem Vorquartal wäre allerdings nicht ohne Weiteres als Nachfrageschwäche zu lesen. Amazon hat den Prime Day ins zweite Quartal verschoben. Das erschwert den Vergleich und belastet die ausgewiesene Wachstumsrate des nun anstehenden Berichts.

Nach Angaben des Managements wäre das Umsatzwachstum ohne diese Verschiebung fast vier Prozentpunkte höher. Neben AWS bleibt das Werbegeschäft ein wichtiger Prüfstein: Für das dritte Quartal werden dort rund 20,8 Milliarden Dollar Umsatz erwartet.

Für die Bewertung des Berichts kommt es deshalb auf die Zusammensetzung des Wachstums an. Ein Umsatz nahe der Prognoseobergrenze allein würde noch nicht zeigen, wie sich die ertragsstarken Geschäftsbereiche entwickelt haben.

Investitionen setzen den Maßstab

Amazon plant für 2026 Investitionen von rund 220 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow der zwölf Monate bis Juni lag bei minus 7,6 Milliarden Dollar.

Die gebuchten AWS-Kapazitäten stützen die Begründung für diese Ausgaben. Anleger benötigen dennoch Hinweise darauf, wann der Ausbau stärker zum Mittelzufluss beiträgt. Hohe Nachfrage und ein hoher Auftragsbestand ersetzen diesen Nachweis nicht.

UBS hält die Erwartungen der Wall Street zur AWS-Profitabilität 2027 für zu niedrig. Analyst Stephen Ju erhöhte das Amazon-Kursziel am Montag auf 348 Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung.

Damit liegt der entscheidende Prüfstein für den heutigen Bericht jenseits der reinen Umsatzgröße: Amazon muss die Verbindung zwischen ausgelasteten Kapazitäten, profitabler Expansion und künftigem Mittelzufluss überzeugend erläutern. Besonders aussagekräftig werden dafür die AWS-Marge und die Aussagen zum weiteren Kapazitätsausbau sein.

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