Amazon investiert einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag in den Umbau seines Logistikzentrums in Rheinberg. Bis 2029 soll dort die Belegschaft von aktuell rund 1.000 auf mehr als 2.000 Beschäftigte wachsen — eine faktische Verdopplung an einem der sechs größten Amazon-Standorte in Nordrhein-Westfalen.
Roboter statt Laufwege
Kern des Umbaus sind Zwischenebenen, die in die bestehenden Hallen eingezogen werden, um die Lagerfläche deutlich zu vergrößern. Statt aktuell rund acht Millionen Artikeln sollen künftig 20 Millionen Produkte am Standort verfügbar sein.
Möglich macht das der großflächige Einsatz von Transportrobotern, die mobile Regale direkt zu den Mitarbeitern fahren — ein Prinzip, das Amazon an anderen Standorten bereits erprobt hat, in Rheinberg nun aber im großen Stil umsetzt.
Die Standortleiterin bezeichnete die Investition als Bekenntnis zur Region; insgesamt beschäftigt der Konzern in NRW mittlerweile gut 14.000 Menschen an 23 Logistikstandorten.
Der Umbau reiht sich ein in eine Serie großer Kapitalzusagen. Amazon hatte zuletzt sein Engagement im US-Bundesstaat Louisiana auf 18 Milliarden Dollar ausgeweitet, um einen dritten Rechenzentrums-Campus zu errichten.
Solche Investitionen finanziert der Konzern zunehmend über den Anleihemarkt — zusammen mit Alphabet, Meta und Oracle sollen die großen KI-Konzerne bis Anfang Juli rund 194 Milliarden Dollar an Anleihen begeben haben, deutlich mehr als im gesamten Jahr 2025.
Insider verkauft, Analysten sehen Potenzial
AWS-Chef Matthew Garman veräußerte kürzlich Aktien im Wert von rund 3,77 Millionen Dollar zu Kursen zwischen 257,09 und 260,79 Dollar — die Transaktion erfolgte über einen bereits im Mai eingerichteten automatisierten Handelsplan und fällt damit nicht in die Kategorie spontaner Insider-Signale. Am selben Tag erhielt Garman zudem neue Aktien aus einem Vergütungsprogramm.
Trotz des Verkaufs bleibt das Analystenbild positiv gestimmt. Kursziele reichen von 315 bis 335 Dollar, gestützt auf die Logistikstärke und das erwartete Wachstum bei Amazon Web Services. Nach zwischenzeitlicher Ernüchterung bei einzelnen KI-nahen Werten sehen Beobachter bei Amazon selbst wieder deutliches Aufwärtspotenzial, nachdem die Aktie in den vergangenen sechs Monaten bereits knapp 24 Prozent zugelegt hat.
Ein kleineres Kapitel schließt sich derweil: Der 21 Jahre alte Crowdsourcing-Dienst Mechanical Turk, einst von Jeff Bezos als „künstliche künstliche Intelligenz“ bezeichnet, wird zum 30. September eingestellt. Fortschrittlichere KI-Modelle und neue Datenanbieter wie Scale AI hatten die Plattform zuletzt zunehmend verdrängt.
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