Amazons Cloud-Geschäft wächst kräftig, während der Onlinehandel kaum zulegt. Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen ein AWS-Umsatzplus von 39 %. Die Online-Shops kamen dagegen nur auf 2 %. Für Anleger ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild: Die Cloud trägt das Wachstum, kann aber schwächere Ergebnisse anderer Geschäfte nicht vollständig ausgleichen.
Dabei verzerrt eine Terminverschiebung den Vergleich im Handel. Zugleich verlangt der Ausbau der KI-Infrastruktur hohe Investitionen. Entscheidend ist deshalb nicht allein das Wachstumstempo von AWS, sondern auch die Frage, wie viel davon nach den Ausgaben als freier Mittelzufluss übrig bleibt.
AWS liefert Wachstum und Gewinn
AWS erzielte einen Quartalsumsatz von 46,0 Milliarden US-Dollar und einen operativen Gewinn von 17,8 Milliarden US-Dollar. Der Auftragsbestand erreichte 578 Milliarden US-Dollar. Damit verfügt das Cloud-Geschäft neben dem kräftigen laufenden Wachstum auch über umfangreiche zugesagte Nachfrage.
Der Auftragsbestand stützt die Wachstumsperspektive. Er ist allerdings nicht mit bereits verbuchtem Umsatz oder unmittelbar verfügbarem Geld gleichzusetzen. Für Amazon kommt es darauf an, die benötigten Kapazitäten bereitzustellen und die Nachfrage in profitables Geschäft zu verwandeln.
Amazon-CEO Andy Jassy sagte laut Reuters am 23. Oktober, die AWS-Kapazität für 2026 sei ausverkauft. Große Kapazitätsblöcke für 2027 seien weitgehend vergeben. Zugleich hält AWS Spielraum für On-Demand-Angebote, EC2 und Bedrock vor.
Die Unterscheidung ist wichtig: Reservierte Großblöcke bedeuten nicht, dass im Tagesgeschäft generell keine Kapazität mehr verfügbar ist. Analyst David Linthicum warnte ausdrücklich davor, diese beiden Sachverhalte gleichzusetzen. Die hohe Auslastung unterstreicht die Nachfrage, erhöht aber zugleich die Bedeutung des weiteren Infrastrukturausbaus.
Prime-Day-Verschiebung bremst den Vergleich
Der Online-Shop-Umsatz belief sich auf 68,5 Milliarden US-Dollar. Laut Publishers Weekly lag Prime Day diesmal im zweiten statt im dritten Quartal. Medienberichten zufolge drückte diese Verschiebung das Wachstum um rund vier Prozentpunkte.
Das geringe Plus lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres als entsprechend schwache zugrunde liegende Nachfrage lesen. Der Kalendereffekt erklärt einen Teil der Differenz zur Cloud. Er ändert jedoch nichts daran, dass die gemeldete Umsatzentwicklung im Handel deutlich weniger Dynamik zeigte.
Auch auf Konzernebene blieben Erwartungen unerfüllt. Amazon erzielte einen Gewinn je Aktie von 1,89 US-Dollar gegenüber erwarteten 1,96 US-Dollar. Im Werbegeschäft standen 19,64 Milliarden US-Dollar Umsatz zu Buche; auch dort wurde die Marktschätzung verfehlt.
Die starke Cloud allein reichte somit nicht für einen durchweg überzeugenden Quartalsbericht. Für Anleger bleibt relevant, ob sich die Entwicklung künftig auf eine breitere geschäftliche Basis verteilt.
Wachstum bleibt kapitalintensiv
Amazon bestätigte für 2026 geplante Investitionsausgaben von rund 220 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate lag bei minus 42,4 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen führt die Verschlechterung vor allem auf höhere Sachanlagenkäufe für KI zurück.
Damit steht dem starken AWS-Geschäft eine erhebliche Finanzierungslast gegenüber. Jassy kündigte für das kommende Jahr höhere Ausgaben an. Die Quartalszahlen belegen somit beides: Amazon trifft mit seinem Cloud-Angebot auf hohe Nachfrage, muss für deren Bedienung aber weiter massiv investieren. Ein hoher Auftragsbestand ist ein Wachstumsargument — noch kein Beleg für eine Entlastung des Cashflows.
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