Starke Quartalszahlen, schwache Kursreaktion — bei Amazon klaffen operative Stärke und finanzielle Realität derzeit auseinander. Der Konzern übertraf im ersten Quartal 2026 alle Erwartungen an Umsatz und Gewinn. Im nachbörslichen Handel rutschte die Aktie dennoch um mehr als drei Prozent ab. Der Grund liegt tief in der Bilanz versteckt: Der freie Cashflow ist unter der Last massiver KI-Investitionen fast vollständig kollabiert.
Der Rücksetzer trifft auf eine erfolgsverwöhnte Anlegerschaft. Noch am Mittwoch schloss das Papier bei 225,30 Euro und damit nur wenige Cent unter seinem Jahreshoch. Auf Monatssicht steht ein Plus von rund 25 Prozent auf der Kurstafel. Entsprechend hoch lag die Messlatte für diesen Bericht.
AWS und Werbung treiben das Wachstum
Auf den ersten Blick lieferte Amazon makellose Zahlen. Der Gesamtumsatz kletterte um 17 Prozent auf 181,5 Milliarden US-Dollar. Beim Gewinn je Aktie pulverisierte der Konzern mit 2,78 Dollar die Analystenschätzungen deutlich.
Das wichtigste Profitcenter liefert. Die Cloud-Sparte AWS verzeichnete mit einem Umsatzplus von 28 Prozent das stärkste Wachstum seit mehr als drei Jahren. Mit einem operativen Gewinn von gut 14 Milliarden Dollar steuert das Segment mehr als die Hälfte zum Konzernergebnis bei.
Parallel dazu wächst das Werbegeschäft rasant. Die Einnahmen stiegen hier um 24 Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar. Auch der klassische Online-Handel legte zweistellig zu und verzeichnete das stärkste Mengenwachstum seit dem Ende der Pandemie.
Der Preis der KI-Dominanz
Das Problem der Investoren ist nicht das operative Geschäft, sondern die Kapitalallokation. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate stürzte um 95 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar ab. Ursache sind gigantische Ausgaben für die KI-Infrastruktur.
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Allein im ersten Quartal flossen über 43 Milliarden Dollar in Sachanlagen. Auf Jahressicht summieren sich die Investitionen auf nie dagewesene 147,3 Milliarden Dollar. Hinzu kommen Ausgaben für das geplante Satelliten-Internet Leo, das im dritten Quartal starten soll.
Finanzchef Brian Olsavsky verteidigt den Kurs. AWS müsse Land, Strom und Chips teils zwei Jahre im Voraus finanzieren. Die hohe Nachfrage nach KI-Diensten erfordere diese Vorleistungen, für die bereits feste Kundenzusagen vorlägen.
Sondereffekte und Ausblick
Ein genauer Blick auf den Nettogewinn offenbart ein weiteres Detail. Das Ergebnis wurde durch nicht-operative Gewinne in Höhe von 16,8 Milliarden Dollar aus der Beteiligung am KI-Startup Anthropic massiv aufgepolstert. Ohne diesen Sondereffekt fiele das Fazit nüchterner aus.
Amazon baut sein KI-Netzwerk aggressiv aus. Kürzlich vereinbarte der Konzern, weitere 25 Milliarden Dollar in Anthropic zu stecken. Zeitgleich plant das Unternehmen eine 50-Milliarden-Dollar-Investition in OpenAI, flankiert von langfristigen Cloud-Verträgen.
Für das laufende zweite Quartal gibt sich das Management optimistisch. Amazon peilt einen Umsatz von bis zu 199 Milliarden Dollar an — rund vier Prozent mehr, als die Wall Street erwartet hatte. Um die Zahlen zusätzlich zu stützen, zieht der Konzern seine Rabattaktion „Prime Day“ in diesem Jahr auf den Juni vor.
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