Gleich mehrere Wall-Street-Häuser haben ihre Kursziele für Amazon angehoben — und einer der Analysten nutzte die Gelegenheit, um einen der größten Streitpunkte unter Investoren direkt anzugehen: die geplanten Kapitalausgaben von 200 Milliarden Dollar im Jahr 2026.
Das Capex-Argument dreht sich
BNP-Paribas-Analyst Nick Jones argumentiert, dass Anleger die Ausgaben falsch einordnen. Statt auf die absolute Höhe der Investitionen zu schauen, sei das Verhältnis von Auftragsbestand zu Kapitalausgaben die entscheidende Kennzahl. Amazons Auftragsbestand habe sich zuletzt beschleunigt — ein Hinweis auf gute Umsichtbarkeit für künftige Einnahmen. Jones schätzt, dass ein Gigawatt Rechenzentrumskapazität zwar rund 50 Milliarden Dollar kostet, im Betrieb aber etwa 15 Milliarden Dollar jährlichen Umsatz generieren kann. Sein Kursziel liegt bei 320 Dollar — rund 45 Prozent über dem aktuellen Niveau. Das Rating: Outperform.
Cantor Fitzgerald zog ebenfalls nach und erhöhte sein Kursziel von 250 auf 260 Dollar, gestützt auf wachsende Partnerschaften und kommerzielle Fortschritte bei Cloud- und KI-Diensten. Moffett Nathanson hob sein Ziel von 283 auf 288 Dollar an und bewertet die Aktie mit „Buy“.
Rückenwind von außen
Zusätzlichen Auftrieb lieferte ein geopolitisches Ereignis: Die USA und der Iran einigten sich auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand, der die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wieder ermöglicht. Rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gaslieferungen laufen durch diesen Engpass. Die Energiepreise gaben nach — relevant für Amazon, dessen Lieferflotte noch immer überwiegend mit Benzin und Erdgas betrieben wird.
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Auf der Unternehmensseite weitet Uber seine Nutzung von AWS-Chips aus und testet bereits Amazons neueste Trainium3-Generation. Das stützt die These, dass Amazons Eigenentwicklungen bei Halbleitern zunehmend kommerziell tragen.
Breite Unterstützung, aber ein Test steht bevor
92 Prozent der Analysten, die Amazon abdecken, haben derzeit eine positive Einschätzung. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 281 Dollar — der Kurs notiert aktuell rund 14 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. AWS wächst mit der stärksten Rate seit 13 Quartalen, und der Cloud-Auftragsbestand beläuft sich auf 244 Milliarden Dollar.
Die Q1-2026-Ergebnisse werden zeigen, ob die Beschleunigung bei AWS in den Zahlen ankommt — und ob die Investitionsthese der Bullen trägt.
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