Amazon greift tief in die Tasche der Anleihemärkte. Der Konzern startet eine Bondemission über mindestens 25 Milliarden Dollar. Das Geld soll den gewaltigen Kapitalbedarf für Rechenzentren und KI-Infrastruktur decken.
Acht Tranchen für den KI-Hunger
Die Anleihe kommt in acht Teilen, mit variabler und fester Verzinsung. Als Konsortialführer fungieren Barclays, Goldman Sachs, J.P. Morgan und Morgan Stanley. Amazon will das Kapital für allgemeine Unternehmenszwecke nutzen – vor allem aber für den Ausbau von AWS und generativen KI-Diensten.
Gegenüber den Banken hat Amazon signalisiert: Für den Rest des Jahres 2026 plant der Konzern keine weiteren Anleihen. Das ist eine klare Ansage nach einem ohnehin teuren Jahr. Die Investitionen in KI und Rechenzentren sollen sich 2026 auf rund 200 Milliarden Dollar summieren.
Aktie hält sich stabil trotz neuer Schulden
Der Kapitalmarkt reagiert bislang gelassen. Amazon-Aktien notieren bei 214,30 Euro, ein Plus von 0,40 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Gewinn von 2,66 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 10,85 Prozent.
Zum Rekordhoch von 238,05 Euro aus dem Mai fehlen der Aktie knapp zehn Prozent. Der RSI von 52,6 zeigt eine neutrale Marktlage – weder überkauft noch überverkauft. Über dem 200-Tage-Durchschnitt von 200,68 Euro liegt der Kurs derzeit um 6,78 Prozent, ein Hinweis auf den intakten langfristigen Aufwärtstrend.
Grüner Strom trotz KI-Boom
Parallel zur Schuldenaufnahme meldet Amazon einen Nachhaltigkeitserfolg. Im aktuellen Sustainability Report bestätigt der Konzern: Zum dritten Mal in Folge deckt Amazon seinen weltweiten Stromverbrauch zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Das gelingt trotz des massiv gestiegenen Energiebedarfs neuer KI-Dienste.
Mittlerweile betreibt Amazon 712 Projekte für erneuerbare Energien mit einer Gesamtkapazität von 42 Gigawatt. Auch bei der Logistik wächst die grüne Flotte: 52.700 elektrische Lieferfahrzeuge sind weltweit im Einsatz, vor einem Jahr waren es noch 31.400.
Der Blick richtet sich auf Q2
Die Anleihe kommt kurz vor den Zahlen zum zweiten Quartal, die Amazon im Juli 2026 vorlegen will. Anleger dürften genau hinschauen, wie der Konzern hohe KI-Ausgaben und Margendruck im Kerngeschäft aus Handel und Cloud austariert.
Der Schritt erhöht Amazons Zinslast spürbar. Analysten sehen darin trotzdem einen strategischen Vorteil: Die Finanzierung verschafft Planungssicherheit im Wettlauf um KI-Infrastruktur – einem Rennen, in dem auch Microsoft und Alphabet zuletzt über Anleihen frisches Kapital eingesammelt haben.
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