Anthropic bereitet einen Börsengang mit einer Zielwertung von rund einer Billion Dollar vor. Für Amazon könnte das der größte Bewertungsschub seit Jahren werden.
16,8 Milliarden Dollar Gewinn — nur aus einer Beteiligung
Amazon hält etwa 21 Prozent an Anthropic. Allein im ersten Quartal 2026 buchte der Konzern daraus einen Vorsteugergewinn von 16,8 Milliarden Dollar. Ein Betrag, der die Bedeutung dieser Wette auf KI-Infrastruktur deutlich macht.
Die Partnerschaft geht über eine reine Kapitalbeteiligung hinaus. Anthropic hat sich verpflichtet, Amazons eigene KI-Chips zu nutzen — Trainium und Graviton. Das stärkt Amazons Strategie, unabhängiger von externen Chip-Herstellern zu werden.
AWS wächst so schnell wie seit Jahren nicht
Amazon Web Services legte im ersten Quartal 2026 um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Mit einem Umsatz von 37,59 Milliarden Dollar war das die stärkste Wachstumsrate seit 15 Quartalen.
Treiber ist auch das eigene Chip-Geschäft. Die annualisierte Umsatzrate für Amazon-eigene Chips übersteigt inzwischen 20 Milliarden Dollar — bei dreistelligen Wachstumsraten. OpenAI und Meta haben laut Berichten umfangreiche Rechenkapazitäten bei AWS gebucht. Bis 2027 sollen bis zu 2 Gigawatt Trainium-Kapazität online gehen.
Raymond James hat das Kursziel für die Aktie auf 280 Dollar angehoben und hält an der Einstufung „Outperform“ fest.
Seattle bremst — lokal, aber symbolisch
Mitten in diesem Wachstumssog gibt es Gegenwind aus dem Heimatmarkt. Ein Ausschuss des Stadtrats in Seattle stimmte im Juni 2026 einstimmig für ein einjähriges Moratorium auf neue KI-Rechenzentren. Bemerkenswert: Auch einige Amazon-Mitarbeiter unterstützten den Vorstoß — mit Verweis auf Umweltbelastung und Ressourcenverbrauch.
Das Moratorium trifft auf ein Unternehmen, das für 2026 Investitionsausgaben von rund 200 Milliarden Dollar plant. Der lokale Widerstand dürfte das globale Expansionstempo kaum bremsen — zeigt aber, dass der gesellschaftliche Rückhalt für KI-Infrastruktur nicht selbstverständlich ist.
Kurs stabil, aber unter Jahreshoch
Die Amazon-Aktie notiert aktuell bei 218,70 Euro — rund acht Prozent unterhalb des 52-Wochen-Hochs vom Mai 2026. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch gut 13 Prozent im Plus. Der RSI von 44,2 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Verhältnisse.
Der nächste große Kurstreiber dürfte der Anthropic-Börsengang selbst werden. Sobald ein konkretes IPO-Datum feststeht, rückt die Neubewertung von Amazons Beteiligung ins Zentrum — und damit die Frage, wie viel von der Billion-Dollar-Bewertung am Ende tatsächlich in Amazons Büchern landet.
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