Amazon hat im zweiten Quartal 2026 die Umsatzmarke von 200 Milliarden Dollar durchbrochen und damit die Erwartungen des Marktes übertroffen. Die Aktie reagierte am heutigen Freitag mit einem deutlichen Kurssprung von 12,95 Prozent auf die Ergebnisse. Vor allem die Cloud-Sparte AWS erwies sich als Wachstumsmotor und verzeichnete das stärkste Plus seit mehr als vier Jahren.
AWS-Wachstum und massive KI-Investitionen
Die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) steigerte ihren Umsatz im Berichtsquartal um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar. Laut Amazon ist dies das schnellste Wachstum der vergangenen 18 Quartale. Der Auftragsbestand für AWS kletterte zeitgleich auf 496 Milliarden Dollar, nachdem er im Vorquartal noch bei 364 Milliarden Dollar gelegen hatte. CEO Andy Jassy betonte, dass sowohl das Geschäft mit künstlicher Intelligenz als auch die Chip-Sparte bereits eine jährliche Umsatzrate von jeweils über 25 Milliarden Dollar erreicht haben.
Um die hohe Nachfrage nach KI-Kapazitäten zu bedienen, erhöht der Konzern seine Investitionsausgaben massiv. Die Prognose für die Investitionen im Gesamtjahr 2026 wurde auf 220 Milliarden Dollar angehoben. Jassy erklärte dazu, dass trotz dieser Summe die Kapazitäten nicht ausreichen dürften, um die gesamte Nachfrage in den Jahren 2026 und 2027 zu decken. Der Fokus liegt dabei vor allem auf dem Ausbau der Infrastruktur für generative KI und eigenen Chip-Entwicklungen wie Trainium und Graviton.
Finanzielle Kennzahlen im Detail
Der Gesamtumsatz des Konzerns stieg im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis verbesserte sich um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar. Beim Nettoergebnis wies Amazon einen Sprung auf 62,6 Milliarden Dollar aus, was einem Gewinn je Aktie von 5,75 Dollar entspricht. Dieser Wert ist jedoch durch einen Bewertungsgewinn in Höhe von 53,4 Milliarden Dollar aus der Investition in das KI-Unternehmen Anthropic beeinflusst. Ohne diesen Sondereffekt läge der bereinigte Gewinn je Aktie bei 1,95 Dollar.
Die massiven Investitionen hinterlassen deutliche Spuren in der Liquiditätslage des Unternehmens. Der freie Cashflow für die letzten zwölf Monate drehte mit minus 7,6 Milliarden Dollar in den negativen Bereich. Im Vorjahreszeitraum hatte Amazon hier noch ein Plus von 18,2 Milliarden Dollar erzielt. Die Analysten von Evercore ISI bewerteten die Entwicklung dennoch positiv und verwiesen auf die Dynamik im Cloud-Segment. Neben der Cloud wuchsen auch die Werbeeinnahmen kräftig um 26 Prozent auf 19,8 Milliarden Dollar.
Ausblick und Marktreaktion
Durch den heutigen Kursanstieg notiert das Papier bei 231,10 Euro. Damit rückt der Wert wieder näher an sein bisheriges 52-Wochen-Hoch heran, von dem ihn aktuell lediglich ein Abstand von 2,92 Prozent trennt. Investoren gewichten die Wachstumsbeschleunigung bei AWS derzeit höher als die vorsichtige Prognose für das dritte Quartal. Für das laufende Vierteljahr stellt Amazon einen Umsatz zwischen 197 und 202 Milliarden Dollar in Aussicht, was leicht unter den durchschnittlichen Schätzungen der Marktbeobachter liegt.
Das Unternehmen sieht sich trotz der hohen Kosten für Speicherchips und Infrastruktur auf einem langfristigen Wachstumspfad. Jassy deutete an, dass AWS das Potenzial habe, ein Geschäft mit einem jährlichen Umsatz von einer Billion Dollar zu werden. Während Wettbewerber wie Meta mit Kursverlusten auf hohe Investitionsankündigungen reagierten, honorierten Anleger bei Amazon die direkte Korrelation zwischen den Ausgaben und dem beschleunigten Wachstum in der Cloud. Zudem konnte das Unternehmen die Zustellgeschwindigkeit weiter steigern; Same-Day-Lieferungen nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zu.
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