Der Technologiekonzern Amazon forciert seine Ambitionen im Weltraum und steht Medienberichten zufolge vor einer weitreichenden Akquisition. Das Unternehmen plant die Übernahme des Satellitendienstleisters Globalstar für rund 11,57 Milliarden US-Dollar.
Die Transaktion, deren Abschluss für das Jahr 2027 erwartet wird, markiert eine strategische Neuausrichtung im Wettbewerb um die globale Internetversorgung aus dem Erdorbit. Durch den Zukauf würde Amazon Zugriff auf die Infrastruktur erhalten, die derzeit unter anderem die Satellitenfunktionen für das Apple iPhone unterstützt.
Strategischer Angriff auf die Vorherrschaft im All
Mit der geplanten Integration von Globalstar verschärft Amazon den Konkurrenzkampf mit SpaceX. Während das Starlink-Netzwerk von Elon Musk bereits über 11.000 Satelliten im Orbit betreibt und rund 12 Millionen Abonnenten zählt, hinkt Amazons eigenes Projekt „Leo“ (Project Kuiper) mit bisher knapp 400 Satelliten deutlich hinterher.
Die Übernahme soll es Amazon ermöglichen, das eigene Netzwerk massiv auszubauen und künftig auch direkte Verbindungen für Mobilgeräte anzubieten. Hierfür wurde bereits ein Antrag auf den Betrieb eines Netzwerks von über 5.000 Satelliten eingereicht.
Parallel zu den Expansionsplänen im All treibt der Konzern die Entwicklung seiner Logistik am Boden voran. Die Drohnen-Sparte Prime Air soll bis Ende 2026 auf fast 500 Städte ausgeweitet werden. Trotz vereinzelter Berichte über technische Zwischenfälle bei Testflügen signalisieren die jüngsten regulatorischen Entwicklungen in den USA Unterstützung für eine großflächige Einführung automatisierter Lieferungen.
Cloud-Sparte AWS bleibt der zentrale Ertragsbringer
Während die Investitionen in neue Geschäftsfelder steigen, liefert die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) weiterhin die notwendige Finanzkraft. Im zweiten Quartal 2026 erzielte AWS einen Umsatz von 42,2 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 36,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Besonders beeindruckend zeigt sich die Profitabilität: Mit einem operativen Ergebnis von 16,6 Milliarden US-Dollar steuerte die Cloud-Sparte rund 60 Prozent zum gesamten Konzernergebnis von 27,5 Milliarden US-Dollar bei.
Um die dominierende Stellung im Bereich der künstlichen Intelligenz zu behaupten, hat das Management die Investitionsplanung für das laufende Jahr deutlich nach oben korrigiert. Die geplanten Investitionsausgaben (CapEx) für 2026 belaufen sich nun auf rund 220 Milliarden US-Dollar, nachdem zuvor etwa 200 Milliarden US-Dollar veranschlagt worden waren.
Ein wesentlicher Teil dieser Mittel fließt in den Aufbau von Rechenzentren und die Entwicklung eigener KI-Chips, deren Run-Rate laut Branchenanalysten bereits über 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr liegt.
Analysten sehen trotz Insider-Verkäufen deutliches Potenzial
Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 221,65 Euro. Damit notiert das Papier derzeit etwa 11 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 249,00 Euro, das Anfang August erreicht wurde. Trotz des jüngsten Kursrückgangs bleibt die Stimmung unter den Analysten überwiegend positiv.
Die Experten von Rosenblatt Securities haben die Beobachtung des Wertes neu aufgenommen und vergeben ein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 335 US-Dollar. Sie verweisen dabei auf das hohe Potenzial durch die Beschleunigung im Cloud-Sektor und die Effizienzsteigerungen in der Logistik. Auch andere Häuser wie Wells Fargo oder New Street setzen ihre Ziele mit bis zu 350 US-Dollar deutlich über das aktuelle Niveau.
Gleichzeitig verzeichnete die US-Börsenaufsicht SEC zuletzt mehrere Verkäufe durch Führungskräfte des Unternehmens. Gestern gaben unter anderem Brian Olsavsky und Shelley L. Reynolds Pläne für die Veräußerung von Aktienpaketen bekannt, die aus der Umwandlung von Mitarbeiter-Aktienprogrammen stammen.
Bereits am Montag hatte Douglas J. Herrington, CEO von Amazon Worldwide Stores, 3.741 Aktien verkauft. Solche Transaktionen sind bei US-Technologiekonzernen zur Realisierung von Vergütungsanteilen üblich, werden von Anlegern jedoch stets genau beobachtet.
Demgegenüber steht das Engagement großer institutioneller Investoren: So erhöhte der Hedgefonds Bridgewater seine Position im ersten Quartal deutlich auf einen Anteil von über 4 Prozent am Unternehmen. Mit einem aktuellen Stand von 7,8 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt bleibt die Aktie zudem in einem langfristig positiven Trendkorridor.
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