Die Google-Muttergesellschaft Alphabet hat in einem richtungsweisenden Kartellverfahren in den USA einen bedeutenden juristischen Teilsieg erzielt. Wie Reuters berichtet, lehnte Richterin Leonie Brinkema am Mittwoch eine gerichtlich angeordnete Zerschlagung des Werbetechnik-Geschäfts ab.
Das Gericht verzichtete auf die Forderung nach einem Verkauf der Plattform AdX und akzeptierte stattdessen verhaltensbezogene Abhilfemaßnahmen. Alphabet begrüßte die Entscheidung, die den regulatorischen Druck auf das margenstarke Anzeigengeschäft vorerst lindert.
Rückendeckung durch Berkshire Hathaway
Abseits der Gerichtssäle erhielt der Technologiekonzern prominente Unterstützung durch Berkshire Hathaway. Deren CEO Greg Abel bezeichnete Alphabet als einen wesentlichen Akteur im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Medienberichten zufolge ist das Unternehmen inzwischen zur drittgrößten Aktienposition im Portfolio der Beteiligungsgesellschaft von Warren Buffett aufgestiegen. Zum Ende des zweiten Quartals hielt Berkshire rund 106 Millionen Anteile im Marktwert von etwa 37,8 Milliarden US-Dollar. Bereits drei Monate zuvor soll die Gesellschaft eine zusätzliche Milliardeninvestition autorisiert haben.
An der Börse notiert die Aktie aktuell bei 292,00 Euro und verzeichnet damit seit Jahresbeginn einen Wertzuwachs von 9,6 Prozent. Das Papier liegt damit weiterhin unter seinem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro, das am 18. Mai markiert wurde.
Waymo-Expansion und Investitionen in Energie-Infrastruktur
Operative Fortschritte meldet zudem die Tochtergesellschaft Waymo. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, wird der vollständig autonome Fahrdienst auf die US-Städte Denver, San Diego und Tampa ausgeweitet. Damit erhöht sich die Zahl der Standorte mit öffentlichem Zugang auf 14 Städte. Um das weitere Wachstum zu finanzieren, bereitet Waymo Medienberichten zufolge erstmals eine Fremdkapitalaufnahme vor. In den Verhandlungen geht es um ein Volumen von mehr als 3 Milliarden US-Dollar, wobei namhafte Kreditgeber wie Pacific Investment Management und Blackstone involviert sein sollen.
Um die für KI-Anwendungen notwendige Rechenkapazität nachhaltig zu sichern, treibt Alphabet den Ausbau grüner Energiequellen voran. Am Dienstag wurde ein Vertrag mit Fervo Energy über die Lieferung von 396 Megawatt geothermischer Energie aus einem Projekt in Utah unterzeichnet.
Die Vereinbarung umfasst zudem eine Option auf eine spätere Erweiterung, wodurch die Gesamtkapazität bis Juni 2030 auf nahezu ein Gigawatt steigen könnte. Zur Finanzierung derartiger Infrastrukturprojekte nutzt Alphabet verstärkt den Anleihenmarkt und gehört in diesem Jahr zu den größten Emittenten von Euro-Bonds.
Regulatorische Herausforderungen in Europa
Trotz der Entspannung an der US-Rechtsfront sieht sich Alphabet in Europa weiterhin regulatorischem Prüfungsbedarf gegenüber. Die EU-Wettbewerbsbehörden fordern derzeit Rückmeldungen von Verlagen zu einem Vorschlag des Konzerns ein. Google plant, Publishern die Möglichkeit einzuräumen, ihre Inhalte von der KI-gestützten Suche auszuschließen, ohne dass dies negative Auswirkungen auf die Platzierung in den Standard-Suchergebnissen hat. Sollten die Regulierer diesen Vorstoß als unzureichend ablehnen, drohen dem Unternehmen im Rahmen der laufenden EU-Untersuchung empfindliche Strafzahlungen.
