Am Mittwoch, den 22. Juli, wird die Google-Muttergesellschaft nach US-Börsenschluss ihre Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 präsentieren. Analysten erwarten im Konsens einen Umsatz von 116,9 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn pro Aktie von 2,90 US-Dollar. Da das Unternehmen in den vergangenen 13 Quartalen die Erwartungen stets übertreffen konnte, blicken Anleger mit hohen Erwartungen auf die Veröffentlichung, wobei diesmal vor allem die Kosten für künstliche Intelligenz (KI) und regulatorische Hürden im Mittelpunkt stehen.
Massive Ausgaben für die KI-Infrastruktur
Ein zentrales Thema der kommenden Berichterstattung wird die Strategie bei den Investitionsausgaben (Capex) sein. Alphabet hat die Prognose für das Gesamtjahr 2026 bereits auf eine Spanne von 180 bis 190 Milliarden US-Dollar angehoben. Laut Berichten von StockWireX entfallen allein 60 Prozent dieser Mittel auf die Anschaffung von Servern. Für das zweite Quartal wird ein Capex-Volumen von etwa 44,9 Milliarden US-Dollar erwartet.
Der massive Mitteleinsatz dient dem Ausbau der Rechenzentren, um im Wettbewerb um Marktanteile bei generativer KI nicht zurückzufallen. CFO-Aussagen zufolge ist für das Jahr 2027 mit einer weiteren signifikanten Steigerung dieser Ausgaben zu rechnen. Während die hohen Investitionen die Marktführerschaft sichern sollen, belasten sie kurzfristig die Bilanz: Im ersten Quartal sank der freie Cashflow bereits um 46,6 Prozent. Dennoch notiert die Aktie seit Jahresanfang (YTD) mit 13,99% im Plus.
Verzögerungen bei Gemini und regulatorischer Druck
Die technologische Vorherrschaft steht derzeit jedoch unter Rechtfertigungsdruck. Medienberichten zufolge verzögert sich die Veröffentlichung des Modells Gemini 3.5 Pro um mehrere Monate. Das Modell, das ursprünglich für Juni 2026 angekündigt war, verpasste am 17. Juli eine dritte interne Deadline, da die Leistung bei Programmieraufgaben nicht den Erwartungen entsprach. Während Wettbewerber wie OpenAI oder Anthropic in diesem Bereich bereits marktreife Lösungen anbieten, muss Alphabet bei der Entwicklung seines KI-Aushängeschilds offenbar nachbessern.
Zusätzliche Belastungen ergeben sich aus der Regulierung in der Europäischen Union. Eine Kartellstrafe über 4,67 Milliarden US-Dollar wurde kürzlich finalisiert. Unter dem Digital Markets Act (DMA) ist Alphabet zudem verpflichtet, bis August 2027 elf Funktionen des Android-Betriebssystems für Konkurrenten zu öffnen und bis Januar 2027 anonymisierte Suchdaten mit Wettbewerbern zu teilen. In den USA öffnet sich der Google Play Store bereits ab dem 22. Juli für Drittanbieter-App-Stores, was auf ein Urteil im Epic-Games-Verfahren zurückgeht.
Analysten setzen auf Cloud-Wachstum und Beteiligungsgewinne
Trotz dieser Herausforderungen zeigen sich viele Analysehäuser zuversichtlich. Die Analysten der Bank of America bestätigten ihr Kursziel von 430 US-Dollar. Sie begründen dies unter anderem mit einem erwarteten Buchgewinn von 80 Milliarden US-Dollar aus der 14-prozentigen Beteiligung an dem KI-Unternehmen Anthropic, dessen Bewertung inzwischen auf 985 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. BMO Capital Markets sieht das Kursziel sogar bei 455 US-Dollar.
Das Cloud-Geschäft bleibt dabei ein wichtiger Wachstumstreiber. Nachdem Google Cloud im ersten Quartal um 63 Prozent auf 20 Milliarden US-Dollar gewachsen ist, rechnen Marktteilnehmer für das zweite Quartal mit einer Fortsetzung dieser Dynamik. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 303,60 €, womit der Titel aktuell einen Abstand zum 52-Wochen-Hoch von -13,44% aufweist. Ob die Zahlen am Mittwoch ausreichen, um diese Lücke zu schließen, hängt maßgeblich davon ab, wie überzeugend das Management die Rentabilität der hohen KI-Ausgaben darlegen kann.
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