Alphabet kämpft gleichzeitig auf zwei Kontinenten gegen Kartellbehörden. In Europa drängen Verlage und Tech-Verbände auf ein baldiges DMA-Bußgeld, während in den USA das Berufungsverfahren im Suchmaschinen-Monopolfall gerade erst Fahrt aufnimmt. Die rechtliche Lage rund um Google wird komplexer — und teurer.
EU-Druck: Frist läuft ab
Europäische Verlage und Technologieverbände haben die EU-Kommission in einem Brief aufgefordert, die seit fast zwei Jahren laufende DMA-Untersuchung gegen Google noch diese Woche abzuschließen. Zu den Unterzeichnern gehören der European Publishers Council — mit Mitgliedern wie Axel Springer, News Corp und Condé Nast — sowie der European Tech Alliance und der German Startup Association.
Der Kern des Vorwurfs: Google bevorzuge in seinen Suchergebnissen systematisch eigene Dienste gegenüber Drittanbietern und verstoße damit gegen das Gebot fairer, transparenter und diskriminierungsfreier Behandlung. Die Koalition fordert eine formelle Nichterfüllungsentscheidung, eine Unterlassungsanordnung und ein abschreckendes Bußgeld.
Bei einem DMA-Verstoß drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Alphabets Gesamterlöse lagen 2025 bei 402,84 Milliarden US-Dollar — das finanzielle Risiko ist entsprechend erheblich.
USA: Berufungen auf beiden Seiten
Parallel dazu eskaliert das US-Kartellverfahren. Sowohl Google als auch das Justizministerium haben Teile des Urteils von Richter Mehta angefochten. Google will die Monopol-Feststellung grundsätzlich kippen. Das Justizministerium hingegen besteht weiterhin auf einer Zerschlagung des Konzerns — obwohl Mehta im September 2025 entschieden hatte, dass weder Chrome noch Android verkauft werden müssen.
Was bleibt: Google darf Suchmaschinen-Vereinbarungen nicht mehr exklusiv gestalten und muss Such-Index-Daten sowie Nutzerinteraktionsdaten mit Wettbewerbern teilen. Im Dezember 2025 verschärfte Mehta diese Auflagen noch — unter anderem mit der Pflicht, Informationen über das Training von KI-Anwendungen offenzulegen. Google hat beantragt, diese Anforderungen während des Berufungsverfahrens auszusetzen.
Das Berufungsgericht wird die Fälle voraussichtlich noch in diesem Jahr anhören. Ein Urteil ist erfahrungsgemäß etwa ein Jahr nach Einreichung der Berufung zu erwarten.
Zweite US-Front: Werbetech
Neben dem Suchmonopol-Fall läuft ein weiteres Verfahren: Ein Bundesgericht in Virginia hat festgestellt, dass Google im digitalen Open-Web-Werbemarkt gegen Kartellrecht verstoßen hat. Ein Richter prüft derzeit, ob Google Teile seines Anzeigentechnologie-Geschäfts abstoßen muss.
Starke Zahlen als Rückhalt
Trotz der regulatorischen Belastungen liefert Alphabet operativ weiterhin starke Ergebnisse. Im vierten Quartal 2025 stiegen die Konzernerlöse um 18 Prozent auf 113,8 Milliarden US-Dollar. Google Cloud wuchs um 48 Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar, getrieben von steigender Nachfrage nach KI-Infrastruktur im Unternehmensbereich. Für 2026 plant Alphabet Investitionsausgaben zwischen 175 und 185 Milliarden Dollar.
Die Alphabet-Aktie notiert aktuell rund neun Prozent unterhalb ihres Anfang Februar markierten 52-Wochen-Hochs von 291,60 Euro — ein Niveau, das die Märkte offenbar noch nicht wieder für erreichbar halten, solange die rechtliche Unsicherheit anhält.
Mit dem DOJ-Kreuzberufungsverfahren, dem laufenden EU-DMA-Verfahren und dem Werbetech-Fall steht Alphabet vor Jahren juristischer Auseinandersetzungen. Ob die Datenteilungspflichten im Suchbereich Googles Wettbewerbsposition und seine KI-Strategie strukturell schwächen, wird sich erst zeigen, wenn die Berufungsgerichte ihre Entscheidungen gefällt haben — frühestens 2027.
