Die Google-Muttergesellschaft Alphabet hat auf einer Investorenkonferenz in San Francisco eine deutliche Beschleunigung in ihrem Cloud-Segment vermeldet. Thomas Kurian, CEO von Google Cloud, berichtete gestern am Rande der Goldman Sachs Communacopia + Technology Conference von einer signifikanten Ausweitung der Kundenbasis.
Das Unternehmen gewinne derzeit doppelt so viele Neukunden wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Laut Kurian steuert die Cloud-Sparte inzwischen auf eine jährliche Umsatz-Run-Rate von fast 100 Milliarden US-Dollar zu.
Diese Entwicklung unterstreicht den Wandel des Konzerns, der zunehmend über sein Kerngeschäft mit der Onlinesuche hinauswächst. Unterstützt wird diese Expansion durch strategische Partnerschaften.
Medienberichten zufolge starteten Google Cloud und das Beratungsunternehmen Accenture gestern eine neue Einheit, um KI-Ingenieure direkt bei Kunden vor Ort einzusetzen. Ziel ist es, die Implementierung künstlicher Intelligenz in Unternehmensabläufe zu beschleunigen und die Nutzung der Google-Infrastruktur zu vertiefen.
Juristischer Erfolg in den USA bei gleichzeitigem Druck in Europa
Während das operative Geschäft wächst, zeichnet sich an der juristischen Front ein gemischtes Bild ab. In den USA erzielte Alphabet einen Teilerfolg gegen das Justizministerium (DoJ).
Die zuständige US-Bezirksrichterin Leonie M. Brinkema wies Berichten zufolge Bemühungen ab, Alphabet im Rahmen eines Kartellverfahrens zum Verkauf seiner Werbebörse AdX zu zwingen. Damit bleibt ein zentraler Bestandteil des Ad-Tech-Geschäfts vorerst im Konzerngefüge erhalten.
In Europa muss sich das Unternehmen hingegen strengeren Regularien unterwerfen. Um Bußgelder im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) zu vermeiden, setzt Google seit gestern weitreichende Änderungen in seinen europäischen Suchergebnissen um. Das Unternehmen warnt jedoch vor den Folgen dieser Anpassungen, die als Reaktion auf eine EU-Strafe in Höhe von 460 Millionen Euro erfolgen.
Google bezeichnete die notwendigen Umstellungen als die größte Qualitätsreduzierung der Suchmaschine in ihrer 29-jährigen Geschichte. Betroffen sind vor allem die vertikalen Suchdienste für Hotels und Flüge, bei denen Drittanbieter nun stärker priorisiert werden.
Analysten bewerten Cloud-Dynamik und Kapitalallokation
Die jüngsten Finanzdaten belegen die Dynamik der Cloud-Sparte, die im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 24,8 Milliarden US-Dollar erreichte, was einem Wachstum von 82 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Der Auftragsbestand im Cloud-Bereich belief sich zuletzt auf 514 Milliarden US-Dollar. Trotz dieser operativen Stärke blicken Analysten differenziert auf den Wert. Die Experten der UBS senkten ihr Kursziel für das Papier von 400 auf 379 US-Dollar und beließen die Einstufung auf „Neutral“.
Analysten von RBC zeigen sich mit einem Kursziel von 475 US-Dollar hingegen optimistischer. Im Fokus der Anleger bleibt zudem die Dividendenpolitik: Für das laufende Quartal ist eine Ausschüttung von 0,22 US-Dollar je Aktie vorgesehen, deren Auszahlung für den kommenden Montag geplant ist.
Der Aktienkurs schloss gestern bei 291,05 Euro. Damit notiert das Papier aktuell rund 3,8 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Wert eine positive Entwicklung von 9,3 Prozent.
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