Barron’s plädiert heute für eine klarere Trennung zwischen Alphabets Kerngeschäft und den Bewertungseffekten großer Beteiligungen. Das würde Anlegern helfen, die operative Entwicklung besser einzuordnen. Die Unterscheidung ist wichtig: Nicht realisierte Anlageverluste belasten den ausgewiesenen Gewinn, erklären aber nicht den negativen freien Cashflow durch hohe KI-Investitionen.
Was die Beteiligungsbewertung verändert
Barron’s empfiehlt eine Darstellung nach dem Vorbild von Berkshire: Nicht realisierte Gewinne und Verluste großer Beteiligungen sollten bei der Beurteilung der operativen Ertragskraft ausgeklammert werden. Damit ließe sich deutlicher erkennen, welche Ergebnisveränderungen aus dem laufenden Geschäft stammen und welche aus schwankenden Beteiligungswerten.
Für das dritte Quartal 2026 hält Barron’s einen bereinigten Gewinn je Aktie von möglicherweise 2,67 US-Dollar statt der ausgewiesenen 2,12 US-Dollar für denkbar. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung des Magazins, nicht um eine von Alphabet gemeldete bereinigte Kennzahl.
Die Beteiligungen wirken dabei nicht nur in eine Richtung. Nach Einschätzung von Barron’s belastete SpaceX das Ergebnis, während ein Wertzuwachs bei Anthropic einen Teil dieses Effekts ausglich. Solche gegenläufigen Bewegungen erschweren den Vergleich des ausgewiesenen Gewinns mit der Entwicklung des Tagesgeschäfts.
Alphabets operatives Ergebnis stieg im dritten Quartal 2026 um 30% auf 40,576 Milliarden US-Dollar. Der Rückgang beim Gewinn je Aktie ist deshalb nicht mit einer entsprechenden Verschlechterung des operativen Geschäfts gleichzusetzen.
Cloud-Wachstum löst das Finanzierungsproblem nicht
Die Trennung der Ergebniseffekte beseitigt allerdings nicht den entscheidenden Vorbehalt gegenüber Alphabets KI-Ausgaben. Beteiligungsbewertungen und die Finanzierung neuer Infrastruktur sind unterschiedliche Fragen. Auch eine bereinigte Gewinndarstellung macht aus einem negativen freien Cashflow keinen positiven.
Alphabet investierte im dritten Quartal 2026 rund 51,4 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow lag bei minus 9,1 Milliarden US-Dollar und war damit das zweite Quartal in Folge negativ.
Gleichzeitig liefert Google Cloud einen operativen Gegenpol zu den Finanzierungssorgen. Das Geschäft wächst kräftig und verbessert seine Profitabilität. Anleger müssen daher zwischen bereits sichtbaren Geschäftserfolgen und dem Kapitalbedarf unterscheiden, der mit dem weiteren Ausbau verbunden ist.
Der Cloud-Umsatz stieg im dritten Quartal 2026 um 103% auf 30,709 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge erreichte 36,2%.
Die Suche bleibt der Prüfstein
Neben dem Kapitalbedarf entscheidet die Werbevermarktung darüber, wie überzeugend Alphabets KI-Strategie wirtschaftlich wird. Mehr Nutzung allein garantiert noch keinen entsprechend höheren Umsatz. Gerade bei der Suche zeigt sich diese Spannung.
Der Umsatz von Search & other wuchs im dritten Quartal 2026 um 12%. Zugleich nahmen die Suchanfragen im Jahresvergleich so schnell zu wie seit fünf Jahren nicht.
Philipp Schindler verwies auf die derzeit geringere Monetarisierung von Anfragen im AI Mode gegenüber traditionellen Suchanfragen. Google nannte Wechselkurse als größten Grund für das langsamere Umsatzwachstum.
Barron’s Vorschlag würde die Ergebnisqualität transparenter machen. Für die Anlageentscheidung bleiben jedoch zwei eigenständige Aufgaben entscheidend: Alphabet muss die zusätzliche KI-Nutzung besser monetarisieren und zeigen, dass die Infrastrukturinvestitionen tragfähige Mittelzuflüsse ermöglichen. Die Bereinigung von Beteiligungseffekten beantwortet keine dieser beiden Fragen.
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