Der Google-Mutterkonzern spürt derzeit von mehreren Seiten Gegenwind. Neben einer spürbaren Kurskorrektur seit dem Rekordhoch im Februar sorgen ein Wechsel im Finanzressort und gewaltige Investitionspläne für Zurückhaltung am Markt. Gleichzeitig ruhen die Hoffnungen der Wall Street auf dem florierenden Cloud-Geschäft, das die Bedenken bald zerstreuen könnte.
Wechsel im Management und neue Kursziele
Für Aufsehen sorgte diese Woche eine Personalie: Amie Thuener O’Toole, Hauptbuchhalterin des Konzerns, verlässt Alphabet zum 9. April. Das Unternehmen betonte ausdrücklich, dass der Weggang nicht auf Meinungsverschiedenheiten über Geschäftspraktiken zurückzuführen sei. Dennoch beobachten Investoren Wechsel in solch sensiblen Kontrollpositionen stets genau.
Parallel dazu passen Analysten ihre Modelle an. Wells Fargo senkte das Kursziel von 397 auf 361 US-Dollar, behält aber die Einstufung „Overweight“ bei. Die Experten verweisen auf eine mögliche Verschiebung beim freien Cashflow im ersten Quartal.
Milliarden-Investitionen und juristische Hürden
Ein Hauptgrund für den jüngsten Kursrückgang von rund 15 Prozent seit dem Allzeithoch sind die massiv gestiegenen Ausgaben. Alphabet plant für das Jahr 2026 Kapitalinvestitionen in Höhe von 175 bis 185 Milliarden US-Dollar. Das ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Diese Summen belasten zusammen mit makroökonomischen Sorgen um mögliche Zölle die Stimmung der Anleger.
Zusätzlich sorgt ein regulatorischer Dauerstreit für Unsicherheit im Werbegeschäft. Im Kartellverfahren um Googles Werbetechnologie wird für Mitte 2026 eine Entscheidung über mögliche Zerschlagungsmaßnahmen erwartet. Das US-Justizministerium fordert weiterhin den Verkauf der Anzeigenbörse AdX. Auch das laufende Berufungsverfahren im Suchmaschinen-Prozess bleibt ein struktureller Belastungsfaktor für das Papier.
Cloud-Sparte als Wachstumstreiber
Trotz dieser Hürden bleibt die Analystengemeinde mehrheitlich optimistisch. Der Fokus richtet sich zunehmend auf die Cloud-Sparte als zentralen Wachstumstreiber. Wells Fargo prognostiziert hier für das erste Quartal einen Umsatz von 19,7 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem rasanten Wachstum von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr und läge deutlich über den breiten Markterwartungen. Ein prall gefüllter Auftragsbestand von 240 Milliarden US-Dollar für KI-integrierte Infrastruktur stützt diese positive Einschätzung.
Am 28. April präsentiert Alphabet die Ergebnisse für das erste Quartal. Die hoch gesteckten Erwartungen an die Cloud-Umsätze treffen dann auf die Realität der gestiegenen Investitionskosten und liefern die nächsten harten Fakten zur finanziellen Entwicklung des Konzerns.
